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Leserbrief

Sie machen aus dem Haistergau eine Industrielandschaft



Zum Artikel „Bad Waldsees Gemeinderat versagt bei einer von neun Anlagen sein Einvernehmen“ (DBSZ vom 7. August)

Mit AHA-Rufen marschierte vor einigen Jahren eine ganze Abordnung im Waldseer Fasnetumzug mit kleinen Windrädchen am Kopf und jetzt melden sich einige Stadträte und die Stadt mit ihren Bedenken zum geplanten Windkraftausbau im Haistergau. Denn dort wird nichts mehr so sein wie ich es aus meiner Kindheit kenne, als wir mit dem Schwäbischen Albverein über den Petersberg durch den Gau zur Grabener Höhe gewandert sind, die weite Landschaft vom Bussen bis hin zu den Bergen bewundert haben und in der damaligen Zankerschen Wirtschaft in Graben Einkehr hielten. Heute geht es um viel mehr als um die vordergründige Frage im Stadtrat, ob im Haistergau eine Windkraftanlage mehr oder weniger gebaut wird. Es geht um die großflächige Umwidmung des Haistergaus in einen „Windpark“ und viel mehr noch um die Umwandlung unserer gesamten Region in eine Industrielandschaft, wo am Ende für Mensch, Tier und Natur kaum noch Platz bleibt. 

Wo bleibt da der Aufschrei etablierter Naturschutzorganisationen, sind die gar mit Projektaufträgen zu Mitwirkenden dieses geplanten flächendeckenden Umbaus unserer Heimat geworden? Ist das Gespür für die Schönheit und Qualität unserer Landschaft und Lebensräume verlorengegangen? Ist der Preis, welchen die politischen Denker in Berlin und Stuttgart von der Landbevölkerung abverlangen, verantwortbar? Hat dieser deutsche Weg der Energiewende überhaupt eine Wirkung auf das Klima? Können wir uns im globalen Wettbewerb als Energieproduzent mit Wind und Sonne behaupten, ohne unsere Wirtschaft wegen nicht wettbewerbsfähigen Energiepreisen zu zerstören mit den daraus folgenden unsäglichen sozialen Konflikten?

Ohne Zweifel, die Energieversorgung ist nur eine von vielen zu lösenden Aufgaben einer stetig wachsenden Weltbevölkerung, welche aber nur im globalen Verbund lösbar ist. Ein gut gemeinter Alleingang, getrieben durch Gesinnungsethik, führt jedoch ins sichere Aus und die ersten Reaktionen tragender Unternehmen sind erkennbar, die ihre Neuinvestitionen ins Ausland verlagern. Auch führende Waldseer Unternehmen bleiben davon nicht verschont. Verantwortungsethik ist jetzt gefordert!

Was aktuell den Haistergau und die dort lebenden Menschen angeht, sind folgende Fragen von den Verantwortungsträgern zu beantworten:

·        Ist der Gesundheitsschutz unserer Bürger im Haistergau gewährleistet, welche künftig neben 300 m hohen emittierenden Anlagen im Abstand von 600 m leben sollen?

·        Ist mit rund 10 Windkraftanlagen das Ausbauziel im Haistergau erreicht oder ist dies nur der Einstieg in einen viel weiter reichenden Ausbau?

Die Frage des Gesundheitsschutzes ist nach meiner Überzeugung völlig ungeklärt. Die Begründung dazu finden Sie in meinem Einspruch an den Regionalverband unter:  
www.diebildschirmzeitung.de/allgaeu-oberschwaben/allgaeu-oberschwaben/man-geht-viel-zu-nah-an-die-haeuser-ran-32072/

Die Frage, ob mit den 10 Anlagen im Haistergau und den weiteren geplanten Anlagen rund um Waldsee Schluss ist, habe ich als „Täuschung der Bürger“ gebrandmarkt. Denn mit der derzeitigen Ausweisung von 2 % der Fläche von Baden-Württenberg wird dem Bürger vorgetäuscht, dass wir so einen Beitrag zur C02-Reduzierung leisten, in Wahrheit aber nur das Abschalten der zwei Kernkraftwerke in etwa kompensieren. Mit anderen Worten: Der große Nachschlag um ein Mehrfaches von 2 % kommt erst noch und dann geht es im Waldseer Stadtrat nicht mehr nur um die Diskussion, ob eine einzige Anlage mehr oder weniger im Haistergau gebaut wird. Die Begründung dazu siehe:
www.diebildschirmzeitung.de/allgaeu-oberschwaben/bad-waldsee/die-buerger-werden-getaeuscht-7711/

Die für unsere Region verantwortlichen Politiker und Entscheidungsträger habe ich wiederholt zur Stellungnahme zu den beiden für uns lebenswichtigen Fragen aufgefordert. Beschämend, nur eine Abgeordnete des Bundestages hatte den Mut, sich dieser Diskussion wenigstens im vertraulichen Gespräch zu stellen. 
Dr. Wolfgang Hübner, Bad Wurzach



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