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Ein Beispiel für die Vereinödung im württembergischen Allgäu

Die Geschichte des Einödhofs Oflings 20



Foto: Armin Kohler

Leutkirch – Der Einladung des Heimatvereins Deuchelried e.V. zur geschichtlichen Zeitreise am Beispiel des des Hofs Oflings 20 folgten am 2. August knapp 40 Interessierte. Darunter Ortsvorsteher Markus Leonhardt, einige orts- und hofkundige Handwerker und Vertreter von anderen Heimatvereinen. Der Hof steht im Besitz von des Heimatkundlers Dr. Christian Schmölzer und ist mustergültig hergerichtet worden.

Besitzer Dr. Christian Scmölzer (oranges Shirt) und Philipp Scheitenberger (rechts daneben), ein wissenschaftlich geschulter Experte für historische Bauformen im Allgäu und in Oberschwaben, erläutern den Hof Oflings 20. Foto: Armin Kohler

Der Hof Oflings 20 – 1590 genannt im Säckelmeisterbuch der Stadt Wangen – wurde 1768/69 in Oflings ab- und am aktuellen Standort wieder aufgebaut – transloziert, wie man heute sagt. Holzuntersuchungen beim Umbau ergaben, dass Teile des Bauholzes 1769 geschlagen wurden! Die bewegte Geschichte des allgäutypischen Eindachhofs wurde vom Besitzer Dr. Christian Schmölzer sehr interessant und umfangreich geschildert. Der Hof war einer von sechs Höfen, welche bei der Vereinödung aus Oflings ausgesiedelt wurden.

Liebevoll restauriert

Über hundert Jahre war er im Besitz der Familie Hodrus. 2012 wurde der verwaiste „Hodrushof“ von Dr. Christian Schmölzer erworben und mit vielen Auflagen des Denkmalamtes liebevoll saniert. Schindeln, Blendrahmenfenster, Fensterläden, Kachelofen und viele Einrichtungsgegenstände, welche im Museumszimmer ihre Bleibe gefunden haben, zeugen von hoher Kenntnis, Wissen und Respekt vor dem „alten Klump“ des Eigentümers.

Vereinödung: Warum? Wozu?

Die vielfältigen Gründe der Vereinödung wurden vom historischen Bauforscher Philipp Scheitenberger aus Kißlegg eindrücklich erklärt. Weite Viehaustriebswege auf kleine zerstückelte Weideflächen, die Ausbringung des Mistes usw. waren einige Argumente dafür. Die Altersbestimmung des Bauholzes und die großen Herausforderungen der Denkmalpflege wurden von Scheitenberger sehr gut erklärt.

Sowohl Dr. Schmölzer als auch Scheitenberger sind aktive Mitglieder der Fördergemeinschaft Bauernhaus-Museum Wolfegg e.V. In den „Wolfegger Blättern“ sind viele Veröffentlichungen der Experten publiziert (www.bauernhaus-museum.de/wolfegger-blaetter).

„Boide Seita hond gwonna“

Anwesend bei der Führung waren Mitglieder der Familie Hodrus und ehemalige Nachbarn, welche viele Erinnerungen und damit Verbundenheit zur Hofstelle haben. Der einfühlsame Umgang mit der Hofstelle, dem Inventar und den ehemaligen Besitzern durch „Schmölzers“ wurden im Gespräch durch die Vorbesitzer immer wieder hervorgehoben. „Wia domols isch no sehr viel erhalte bliebe. Des weckt viele alte Erinnerungen und sorgt für hohe Verbundeheit. Boide Seite hond mit dem Kauf klar gwonne!“

Mit Fragen der Interessierten endete die kurzweilige Besichtigung. „Zu einem solchem Umbau benötigt man vor allem die richtigen Handwerker“, so das Fazit von Dr. Schmölzer.

Hoschtube im „Hirsch“ in Deuchelried

Eine nette „Hostube“ im Hirsch in Deuchelried rundeten die Veranstaltung ab. Das von Dr. Schmölzer zum Umbau erstellte Büchlein „Die Geschichte des Einödhofs Oflings 20 und das Vereinödungswerk von 1768“ fand dabei reißenden Absatz.
Armin Kohler




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