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Windkraft-Situation am Ried spitzt sich zu

Landschaftsschützer bitten um Spenden



Foto: Evamaria Hübner
Die Vorstandschaft des gemeinnützigen Vereins Landschaftsschützer Oberschwaben-Allgäu e. V., der sich gegen die Errichtung von Windkraftanlagen im Umfeld des Wurzacher Riedes einsetzt (von links): Gerhard Reischmann (Schriftführer), Dr. Wolfgang Hübner (2. Vorstand), Reinhold Mall (1. Vorstand), Friedrich-Thorsten Müller (Kassier).

Bad Wurzach – Der gemeinnützige Verein Landschaftsschützer Oberschwaben-Allgäu e. V. braucht für sein Eintreten gegen die Errichtung von Windkraftanlagen im Umfeld des Wurzacher Riedes eine breitere finanzielle Basis. Er hat deshalb am 21. Oktober auf seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung in Dietmanns für die Mitglieder eine Beitragsordnung beschlossen und bittet darüberhinaus allgemein um Spenden. Der Verein ist in großer Sorge um die Erhaltung des Europadiploms angesichts der massiven Windkraftplanungen rund ums Ried – die sich, neuesten Informationen zufolge, noch dramatischer darstellen könnten, als bisher bekannt. Hochwertigster Landschaft von europäischem Rang drohe schwerster Schaden.

Die Errichtung von bis zu 20 Windkraftanlagen im nahen Umfeld des Wurzacher Riedes und bis zu 39 im Altdorfer Wald – also am Horizont des Riedes erkennbar – befürchten die Landschaftsschützer um Reinhold Mall. Neuesten Informationen zufolge sollen im Haistergau inzwischen drei Investoren in der Summe sogar mehr WKA planen, als hier in der Grafik genannt (hier ist für den Bereich Osterhofen-Haisterkirch von 7 + 2 die Rede). Allerdings hat die Stadt Bad Waldsee für eine der bei Osterhofen projektierten Windkraftanlagen ihr Einvernehmen versagt. Zudem hat sie beim Regionalverband Protest eingelegt gegen eine übermäßige Beplanung ihrer Gemarkung. Grafik: Reinhold Mall

Bisher war bekannt gewesen, dass im Haistergau von der EnBW sowie von einem Projektierer aus dem Raum Isny die Errichtung von in der Summe neun Windkraftanlagen angestrebt wird. Jetzt, heißt es unbestätigten Infos zufolge, sollen im Haistergau sogar noch mehr der fast 300 Meter hohen Türme gebaut werden.

„Das schadet dem Bad Wurzach-Tourismus“

Aus Bad Wurzacher Sicht wurde in der Versammlung am 21. Oktober die „verheerende“ Optik beklagt, die den Blick aufs Ried „verschandeln“. Dabei wurde neben der WKA-Kulisse der Haistergauer Türme, die die Grabener Höhe deutlich überragen, auch die Errichtung von fünf WKA bei Mennisweiler / Mittelurbach als das Ried optisch bedrängend gewertet. In diesem Zusammenhang wurde großer Schaden für den Bad Wurzach-Tourismus befürchtet.

Zudem wurden erneut große Gesundheitsbedenken wegen der Druckpulse, die Anwohner zu erleiden hätten, geäußert. Dr. Wolfgang Hübner, Spezialist auf diesem Gebiet, sieht einen dramatischen Verlust von Lebensqualität im Bereich von Windparks.

Standort Humberg nach wie vor im Fokus

Ein Thema war auch die Windkraftplanung bei Humberg im Hummelluckenwald. Christian Böhm von der LAOCO GmbH in Kirchdorf an der Iller hält – in Kooperation mit der Firma Energiequelle GmbH mit Sitz in Zossen (bei Berlin) – unverdrossen am Plan fest, im Hummelluckenwald drei WKA mit einer Höhe von bis mehr als 260 Metern zu errichten. Dabei befinden sich die drei Standorte innerhalb des vom Regionalverband festgelegten Ried-Schutzbereiches, in dem der Regionalverband keine WKA haben möchte. Und sie liegen in einer Nähe zum Rohrsee, die von Ornithologen als hochproblematisch angesehen wird. Der Rohrsee ist nicht nur ein bedeutender Brutplatz für seltene Vogelarten, sondern auch ein sogenannter Trittstein für Zugvögel.

Wichtige Termine

Aus dem Landratsamt verlautet, dass man die Hummellucken-Planungen gar nicht gerne sehe, dass aber das Projekt bei Nachweis aller Genehmigungsvoraussetzungen Anspruch auf Genehmigung habe. Da das Fenster der regionalplanlosen Zeit sich im September 2025 schließt (dann wird der R-Plan als Satzung beschlossen) und bis dahin ein Super-Privileg besteht, machen Böhm und Co. jetzt richtig Druck: Am 28. Oktober muss der Ortschaftsrat Arnach eine Stellungnahme abgeben und am 18. November berät – dem Vernehmen nach – der Bad Wurzacher Gemeinderat über das Ansinnen.

Der anonyme Anruf

Normalerweise verwertet die Bildschirmzeitung anonyme Anrufe nicht. Jener Anruf aber, der uns am Vormittag des 22. Oktober erreichte, war so berührend, dass wir darauf eingehen. Die Frau hat glaubhaft von ihren gesundheitlichen Ängsten berichtet. Weiter bezweifelt sie die Unabhängigkeit der Gutachten, die von Projektierern wie LAOCO beigebracht würden. Vor allem mit Blick auf das Vogelschutzparadies Rohrsee fordert sie ein unabhängiges Gutachten.

Beiträge und Spenden

Der Mitgliedsbeitrag im gemeinnützigen Verein Landschaftsschützer Oberschwaben-Allgäu e. V. wurde auf 12,00 € im Jahr festgesetzt. Gerne nimmt der Verein auch freiwillige höherer regelmäßige Beiträge entgegen. Wer Mitglied werden möchte, wende sich an den 1. Vorstand Reinhold Mall, Postweg 8, 88410 Bad Wurzach; E-Mail: info@landschaftsschuetzer.de; Telefon: (07564) 4888.

Wer spenden möchte, hier das Konto des Vereins:
Landschaftsschützer Oberschwaben-Allgäu e.V.
Kreissparkasse Ravensburg
IBAN DE85 6505 0110 0101 0989 35

Vereinskassier Friedrich-Thorsten Müller stellt auf Wunsch eine Spenden-Quittung aus.

Rückblick

Am 8. Juli hatte der Verein im „Hirsch“ in Unterschwarzach seine Jahreshauptversammlung abgehalten. Dabei wurde der 1. Vorstand Reinhold Mall in seinem Amt bestätigt. Zum neuen 2. Vorstand wurde Dr. Wolfgang Hübner gewählt. Er trat die Nachfolge von Dr. Carmen Pöhl an, die nicht wieder kandidiert hatte. Kassier ist nach wie vor Friedrich-Thorsten Müller. Als Schriftführer fungiert unverändert Gerhard Reischmann. Alle Wahlen (1 Enthaltung) sowie die Entlastungen erfolgten einstimmig.

Carmen Pöhl wie auch Reinhold Mall schauten in ihren Berichten auf das Bemühen des Vereins zurück, die so hochwertige Landschaft rund um das Ried vor „monströsen“ Eingriffen zu bewahren. Bei der Kommunikation mit dem Sekretariat der Berner Konvention in Straßburg (Europarat) war Frau Pöhls ausgezeichnete Kenntnis der englischen Sprache zielführend; die Frage der Vereinbarkeit von Windkraftanlagen mit dem Europa-Diplom wurde vom Verein in Briefen an den Europarat aufgeworfen und von Carmen Pöhl übersetzt. Weiter hat sie Flyer und Banner realisiert und an der Verteilung respektive Aufstellung mitgewirkt. Federführend hat sie Veranstaltungen in Unterschwarzach, Mühlhausen und Haidgau organisiert. All das und weitere Aktivitäten von Carmen Pöhl wurden von der Versammlung anerkennend und dankbar gewürdigt. Ihr Ausscheiden aus dem Vorstand – nicht aus dem Verein – wurde mit Bedauern zur Kenntnis genommen.

Carmen Pöhl wurde für ihren starken Einsatz während ihrer zweijährigen Vorstandsmitgliedschaft vom 1. Vorstand Reinhold Mall mit Blumen gedankt. Foto: Michaela Willburger

Reinhold Mall gab einen ausführlichen Rechenschaftsbericht. Herausragend war die stark besuchte Informationsveranstaltung in der Turnhalle in Eintürnenberg am 18. Juni. Für landesweites Aufsehen sorgte ein Artikel in der „Stuttgarter Zeitung“ mit dem Titel „Zoff am Ried“; der Artikel, der am 31. Juli 2023 erschien, beschreibt die Windkraftpläne am Wurzacher Ried. Auch mit der „Schwäbischen Zeitung“ hatte es ein Pressegespräch gegeben, das in einen informativen Bericht von Steffen Lang mündete. Mall erinnerte auch an die Resolution des Bad Wurzacher Gemeinderates im Januar 2023, wozu sein Verein einen wichtigen Impuls gegeben hatte.

Transparenzhinweis: Der Autor dieses Artikels ist Mitglied im Verein Landschaftsschützer Oberschwaben-Allgäu e. V.



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