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Festgottesdienst und großer Fahneneinmarsch

Erste Fahrzeugweihe seit fast 50 Jahren für Feuerwehrabteilung Ziegelbach



Foto: Ulrich Gresser
Pater Wolfgang segnete das neue Fahrzeug von allen Seiten

Ziegelbach – Mit einem Festgottesdienst samt großem Fahneneinmarsch in die Pfarrkirche feierte die Feuerwehrabteilung Ziegelbach unter großer Anteilnahme ihrer Kameraden aus den anderen Abteilungen der Bad Wurzacher Wehr die erste Fahrzeugweihe seit fast 50 Jahren, wie der stellvertretende Kreisbrandmeister Norbert Fesseler in seinem Grußwort feststellte.

Gang zur Kirche.

Gemeinsam mit Salvatorianerpater Wolfgang Sütterlin und seinen Ministranten zogen die Fahnenabordnungen (Bild) der verschiedenen Feuerwehrabteilungen sowie der Ziegelbacher Vereine, musikalisch geleitet von der Musikkapelle Ziegelbach, vom Dorfstadel zur Kirche in die Pfarrkirche Unsere Liebe Frau ein. Pater Wolfgang begann dann mit humorvollen Worten in seiner Begrüßung die Liste der zu begrüßenden VIPs, die ihm die Organisatorin der Feier, Ulrike Neuhoff, zur Verfügung gestellt hatte, abzuarbeiten. Ganz besonders freute sich der geborene Ulmer, dass die Ziegelbacher Feuerwehrleute mit einem Fahrgestell aus seiner Heimatstadt unterwegs sein werden.

Wehrleute wirkten beim Gottesdienst mit

Sie sprachen die Fürbitten.

Mit Kyrie, Lesung und Fürbitten beteiligten sich die Jugendfeuerwehr, Frau Neuhoff und Wehrmänner aus verschiedenen Abteilungen aktiv an der Gottesdienstgestaltung, die mit dem wunderschönen Kirchenlied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ nach dem Text des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer und mit der Melodie von Amazing Grace musikalisch bewegend zum Thema gestaltet wurde.

Die Predigt

In seiner in freier Rede gehaltenen Predigt berichtete Pater Wolfgang (Bild) von zwei sehr einprägsamen Erlebnissen. Während seines Noviziates in der amerikanischen Millionenstadt Milwaukee rief der Pfarrer bei einem ganz normalen Sonntagsgottesdienst die Angehörigen von Hilfsdiensten wie Krankenschwestern, Feuerwehrleute, Polizisten usw. nach vorne zum Altar, wo sie vor der ganzen Gemeinde gesegnet wurden.

Die zweite Geschichte betrifft den berühmten Organisten der Kirche Notre-Dame in Paris, Olivier Latry. Dieser spielte zum Auszug eines Jubiläumsgottesdienstes, der vom Kardinal von Paris zelebriert wurde, eine Improvisation, in die er die Sirenen von Feuerwehrautos auf Einsatzfahrt integrierte. Es war ein ganz besonderer Anlass: Die Feuerwehr von Paris feierte ihr 200-jähriges Bestehen. Dass der Kardinal diese Messe feierte, war, wie Pater Wolfgang feststellte, etwas ganz Besonderes, wurde dabei doch die strikte Trennung von Kirche und Staat in Frankreich aufgehoben. Diese Begebenheit zeige aber die große Wertschätzung der Feuerwehr (und anderen Hilfsdiensten).

Und mit einer weiteren Anekdote konnte Sütterlin im Rahmen seiner Predigt noch aufwarten: Ortspfarrer Patrick Meschenmoser habe ihn am Vortag noch angerufen und ihn gebeten, bei der Segnung des Fahrzeuges das ganze Fahrzeug rundum mit Weihwasser zu besprengen. Hintergrund: Ein Fahrzeug, das ein Pfarrerkollege nur an der Front gesegnet hatte, habe beim Rückwärtsfahren eine Mauer gerammt und sei beschädigt worden …

Pater Wolfgang hat sich diese Anweisung zu Herzen genommen: Nach dem Gottesdienst und dem Wechsel zu dem hinter dem Dorfstadel abgestellten Fahrzeug umrundete er das neue Fahrzeug ausführlich, hatte dabei sogar einige Spritzer Weihwasser für die große Abordnung der Feuerwehrleute und der Jugendfeuerwehr übrig, so dass das Fahrzeug nun rundum mit Gottes Segen versehen sein dürfte.

„Feuerwehr in der Flächengemeinde – eine Herausforderung“

Bürgermeisterin Alexandra Scherer, welche den Reigen der Grußworte eröffnete, nannte die Aufrechterhaltung des technischen Standards der Feuerwehr bei einer Flächengemeinde wie Bad Wurzach eine große Herausforderung. Deshalb sei die Segnung eines neuen Fahrzeuges immer ein Zeichen der Wertschätzung der Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr, deren Angehörigen sie an diesem Tag ihren besonderen Dank aussprach.

Rolf Butscher zur Ziegelbacher Fahrzeug-Historie

Der Wurzacher Feuerwehrkommandant Rolf Butscher (Bild) ging in seiner kleinen Rede ein wenig auf die Historie der Ziegelbacher Feuerwehrautos in den letzten 50 Jahren ein. Das bereits erwähnte Fahrzeug das im April 1975 geweiht wurde tat seinen Dienst bis 2002 und wurde, nachdem es damals keinen TÜV-Stempel mehr bekam, an die Wehr in der polnischen Partnerstadt Popielow abgegeben. Danach bekamen die Ziegelbacher ein gebrauchtes TSF von der Seibranzer Wehr, mit dem die Ziegelbacher bis 2009 für die Sicherheit der Bürger sorgten. Anschließend kam von der Feuerwehr Hauerz das gebrauchte Fahrzeug LF 8 (Baujahr 1983), das bis August diesen Jahres in Ziegelbach im Einsatz war.

16 Monate mussten die Ziegelbacher warten: Solange dauerte es von der Ausschreibung bis zur Abholung bei der Fa. Ziegler in Mühlau. Mit Technik auf dem neuesten Stand finden sechs Feuerwehrleute in der Kabine Platz, wo sie unterwegs bereits Atemschutzmasken anlegen können; mit an Bord sind vier Atemschutzgeräte, je eine Motorsäge, ein Wassersauger und ein Stromerzeuger. Integriert in das Fahrzeug ist ein ausfahrbarer Lichtmast. Mit den 1000 Litern Wasser im Tank werde bei einem Brandeinsatz bereits zu Beginn des Einsatzes wertvolle Zeit gespart.

Rolf Butscher dankte dem Landkreis – in Person des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Norbert Fesseler – und Stadt und Gemeinderat für die Bereitstellung der entsprechenden finanziellen Mittel, so dass im Jahr 2022 nach dem positiven Zuschussbescheid das Fahrzeug beschafft werden konnte.

Norbert Fesselers Rückblick

Norbert Fesseler erläuterte in seinem Grußwort die Geschichte, wie es zu den beiden gebrauchten Fahrzeugen für die Abteilung Ziegelbach gekommen war. Denn hätte der damalige Ziegelbacher Kommandant Gottfried Hierlemann den Fahrzeugtauschen nicht zugestimmt, wäre die Auflösung der Abteilung Ziegelbach durch die „Strukturkommision“ der damaligen Verwaltung unter Bürgermeister Morczinietz – Fesseler nannte sie Sparkommission – im Raum gestanden. Dafür dankte der stellvertretende Kreisbrandmeister der damaligen Ziegelbacher Feuerwehrführung ausdrücklich.

Ortsvorsteherin Sybille Schleweck dankte

Auch die Ortsvorsteherin von Ziegelbach Sybille Schleweck sprach Dankesworte. „Die Anschaffung eines solches Fahrzeuges ist keine Selbstverständlichkeit. Es erfordert viel Einsatz, Planung und die Unterstützung vieler Beteiligter.“ Dafür dankte sie Bürgermeisterin, der für Feuerwehr Belange in der Verwaltung Zuständigen Heike Hierlemann und Rolf Butscher und Norbert Fesseler für die entsprechende Bedarfsplanung. Sie erinnerte an den Heiligen St. Florian, den Schutzpatron der Feuerwehren, der die Kameraden bei ihren gefährlichen Einsätzen schützen möge, und überreichte dem Ziegelbacher Abteilungskommandanten Peter Kiebler einen Schlüsselanhänger mit der eingravierten Nummer des neuen Fahrzeuges.

Fest im Dorfstadel

Mit dem Leitspruch der Feuerwehren „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“ lud Sybille Schleweck die Gäste und Feuerwehrleute zur Feier mit musikalischer Begleitung durch die Musikkapelle in den Dorfstadel ein.

Doch bevor es soweit war, mussten die Gäste ihre stimmlichen Qualitäten noch beim Lied „Kamerad sein in der Feuerwehr“ nach der Melodie des Bozner Bergsteigermarsches unter Beweis stellen.
Text und Fotos: Uli Gresser

Viele Bilder in der Galerie

Bei ihr liefen die organisatorischen Fäden für das Fest zusammen: Ulrike Neuhoff.



BILDERGALERIE

Fotos: Ulrich Gresser

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