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Neujahrsempfang der Stadt Bad Waldsee

Mehr als 500 Bürger kamen in die Durlesbachhalle



Foto: Erwin Linder
Starker Besuch in der Durlesbachhalle.

Bad Waldsee – Die Stadtkapelle spielt. Der OB schüttelt fleißig Hände. Am Eingang der Durlesbachhalle bildet sich eine Schlange, schließlich will jeder dem OB die Hand geben. Im Saal hält man ein Schwätzchen an den Stehtischen, auf neudeutsch: Man vernetzt sich. Andere suchen einen Sitzplatz im Parkett oder auf der Galerie. Es herrscht eine summende, fröhliche Atmosphäre.

Der Neujahresempfang des Bad Waldseer Oberbürgermeisters Matthias Henne kommt bei seinen Bürgern und Bürgerinnen gut an. Schon bei der letztjährigen Premiere war die Durlesbachhalle gut besucht und auch bei der zweiten Auflage am Sonntag, 14. Januar,  pilgerten mehr als 500 interessierte Waldseerinnen und Waldseer (Teilorte eingeschlossen) zum Neujahrsempfang nach Reute. Neben Norbert Lins MdEP, Petra Krebs MdL und später auch noch Axel Müller MdB begrüßte der OB Mandatsträger aus Kreis-, Gemeinde- und Ortschaftsräten, Vertreter der Geistlichkeit, Vereine und Institutionen. Als besonderen Gast kündigte er Andreas Schell, den Vorstandsvorsitzenden der EnBW an, der einen Gastvortrag zur Energiewende halten soll.

Gleich zu Beginn seiner Rede bekundete der OB sein Verständnis für die Belange der Bauern, die mit je zwei Traktoren auf dem Parkplatz und am Haupteingang zur Durlesbachhalle auf ihre Anliegen aufmerksam machten. Der OB berichtete in seinem Rückblick von den bemerkenswerten Ereignissen des vergangenen Jahres: Die Stadt gab sich ein neues Erscheinungsbild und sie zeigt Flagge bei „Mayors für Peace“. Alois Burkhardt, der Bad Waldseer Feuerwehrkommandant, wacht seit 20 Jahren mit seiner Wehr über Bad Waldsee. Im  Gemeinderat gab es Nachrücker: Für Tina Weng-Kastler rückte Andreas Schuler nach (Grüne). Im  Gemeinderat wird es im laufenden Jahr gravierende Änderungen geben, denn die Kommunalwahlen sind für den 9. Juni angesetzt. Zahlreiche Begegnungen mit Bâgé le Châtel und Bad Elster zeugten von viel Leben bei den Städtepartnerschaften. Der Austausch über Grenzen hinweg bereichert.

Städtische Kliniken gut belegt

Zufrieden zeigte sich das Stadtoberhaupt auch über die Belegungszahlen in den städtischen Reha-Kliniken. Großes Lob spendete er allen Projektbeteiligten beim EEA (European Energy Award) sowie der Fair-Trade Steuerungsgruppe. Dass das Freibad trotz Fachkräftemangels nicht die ganze Saison schließen musste, verdanken die Badegäste einer konzertierten Aktion, der Hilfsbereitschaft und dem Zusammenhalt der Bad Waldseer, die es schafften, eine Lösung auf die Beine zu stellen. „Bau“ Waldsees Groß-Baustellen sind weitgehend abgeschlossen. Das Leuchtturm-Projekt, von der ehemaligen (Andrea Denzel) und dem amtierenden Stadtbaumeister (Andreas Heine-Strahl) und ihren Mitarbeitern vorangetrieben, kann sich sehen lassen und geht seiner Vollendung entgegen.

Umbau des ehemaligen Finanzamtes zu einem VerwaltSanierung des neuen Rathauses, Nahwärmenetz. Breitbandausbau, Kläranlage im Ried, Biodiversität, Lärmaktionsplan, Stadtentwicklung am Rädlesbach, Gewerbegebiet Wasserstall mit Ansiedlungen von Hymer und RAFI, dem OB gingen und gehen die Zukunftsthemen nicht aus.

Sorgenkinder sind die Kinder. Ab September 2024 fehlen in der Großen Kreisstadt rund 130 Kindergartenplätze. Aber auch hier verbreitet der Schultes Optimismus: Die Kirchengemeinden und auch die Stadt selbst planen die Schaffung neuer Plätze.

Krankenhaus-Schließung konnte nicht verhindert werden

OB Henne sprach die Schließung des Bad Waldseer Krankenhauses an und lobte in diesem Zusammenhang das Engagement der Bürgerinitiative und ihres Sprechers Thomas Bertele. Alle Bemühungen konnten den Schließungsbeschluss des Kreistages nicht verhindern. Henne sieht positiv nach vorne auf das MVZ, und die Stadtverwaltung ist weiterhin aktiv unterwegs, um aus dem MVZ ein Gesundheitszentrum zu machen. Sorgen bereiten ebenfalls die Schließungen von Hausarztpraxen und das Stadtoberhaupt wirbt um die Niederlassung von Ärzten.

Osterhofer Kapelle erhält großen Bundeszuschuss

In seinem Rückblick bleibt kein Akteur unerwähnt: Die Bürgerstiftung, das Klosterstüble, die Blutspender und die Sportlergala, das 175-jährige Jubiläum der TG und die 175 Jahre Franziskanerinnen in Reute bis zu den Kapellen. Das Osterhofer Gotteshaus kann mit 210.000 Euro Bundeszuschuss endlich saniert und in der St. Eligius-Kapelle in Mennisweiler kann durch die Spendenbereitschaft der Anwohner endlich das Läutwerk ertüchtigt werden.

Viele Feste bereicherten das Jahr 2023. Vom ersten Jahresempfang über das Altstadtfest bis zum Rathausadvent und dem Adventsglühen gab es in Bad Waldsee genügend Gelegenheiten, das Miteinander zu feiern.

Am Ende seines Rückblickes bedankte er sich bei allen städtischen Mitarbeitern für ihren Einsatz und ihren Beitrag, die Stadtverwaltung als bürgerfreundliches Dienstleistungsunternehmen wahrnehmen zu können.

Ausblick auf 2024

Die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen machen auch vor den Kommunen nicht halt. Deshalb gilt es, diese unausweichlichen Veränderungen anzunehmen und ihnen nicht mit Angst, sondern mit Mut zu begegnen. Für 2024 hat sich die Stadt einiges auf die Agenda geschrieben: Erweiterung des Gymnasiums, Erweiterung des Gewerbegebiets Wasserstall, Ansiedlung eines Drogeriemarktes in der Steinenbereger Straße, Wohnbebauung unterhalb der Bauernschule, Entwicklung des Baugebiets Drei Eichen VI in Reute und Schaffung von Wohnraum in Mittel- und Unterurbach. „Altstadt für Alle“ liegt in der Zielgeraden und OB Henne lädt alle ein, am Kultursonntag, 28. April, auf dem Grabenmühlplatz zu feiern. Eine große Liste an Investitionen steht auf der Tagesordnung des Gemeinderates am 29. Januar. Darüber wird die Bildschirmzeitung gesondert berichten.

Das Jubel-Jahr 2026

Noch weiter in der Zukunft, 2026, stehen der Stadt viele Jubiläen ins Haus: 1100 Jahre erste urkundliche Erwähnung Waldsees, 600 Jahre Historisches Rathaus, 70 Jahre Bad, 40 Jahre Jugendhaus. Damit schloss OB Henne den ersten Teil des Neujahrsempfangs und übergab Wort und Rednerpult an Andreas Schnell.

Impulsvortrag des EnBW-Chefs

Andreas Schell, der Vorstandsvorsitzende der EnBW, gab auf dem Neujahrsempfang der Stadt Bad Waldsee spannenden Einblicke in die Gedanken- und Investitionswelt der EnBW. 2023 war für den Energieversorger ein Jahr mit einschneidenden Ereignissen. Die EnBW verpasste sich einen ambitionierten Pfad zur CO2-Reduzierung, startete ein großes Investment in den Offshore-Windpark „He Dreiht“ mit 64 Windrädern und einer Leistung von 960 MW. Die Kernkraftwerke wurden 2023 vom Netz genommen, mit dem Bau der Übertragungsleitung Südlink wurde begonnen. Südlink soll den Strom vom Norden zu den Industrien des Südens bringen. Südlink ist eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung, bei der zwei Erdkabel vier Gigawatt vom Norden in den Süden bringen sollen. Vier Gigawatt, das entspricht der Leistung von vier Kraftwerken.

Sechs Säulen der Energiewende

Schell erläuterte die sechs Säulen für das Gelingen der Energiewende: Erneuerbare Erzeugung, disponible Leistung, Ausbau der Übertragungsnetze, Aus- und Umbau der Verteilnetze, Bedarfssteuerung der Kunden und Transformation zu Wasserstoff.

Disponible Gaskraftwerke sind der Garant für Versorgungssicherheit und EnBW-Klimaneutralität bis 2035. Die EnBW setzt dabei auf einen sogenannten doppelten Fuel-Switch. Wechsel von Kohle zu Gas und anschließend zu Wasserstoff. Dafür investiert die EnBW in drei Kraftwerksprojekte in Stuttgart, Heilbronn und Deizisau 1,6 Milliarden Euro und will 1,5 GW disponible Leistung bis 2026 in Betrieb nehmen. In die Übertragungsnetze will sie 87 Milliarden Euro bis 2030 investieren und in die Verteilnetze ca. 60 Milliarden Euro. 12 Millionen davon flossen zum Beispiel in das Umspannwerk in Haisterkirch.

Weshalb sind die Verteilnetze für die Energiewenden von so großer Bedeutung? Bislang floss der Strom in nur eine Richtung. Vom Kraftwerk zum Verbraucher. Aber, wie Schell berichtete, wurden allein 2023 über 140.000 PV-Anlagen neu registriert. Das geht von der großen Flächenanlage bis zum Balkonkraftwerk. Jetzt fließt der Strom in zwei Richtungen. Und dafür müssten die Leitungen ertüchtigt werden.

Die EnBW ist mittlerweile auch ein Big Player bei der Verkehrswende hin zur E-Mobilität und betreibt heute schon 4200 Ladepunkte an über 1100 Schnellladestationen. In 95 % der Fläche erreicht man in Baden-Württemberg innerhalb von 50 Kilometer eine Schnellladestation der EnBW. Gemeinsam den Wandel gestalten ist die Losung der EnBW. Mit einem integrierten Plan zur CO2-Reduktion, mit Beteiligung der Bürger am Ertrag alternativer Energieerzeugung und mit dem Einsatz von Digitalisierung zur effizienten Energienutzung.

Ehrungen

Pause. Endlich konnte man die Verpflegungsstationen entern. Leckere Kässpätzle mit Salat, Leberkäs, Kaffee und Kuchen. Und dazu gute Unterhaltung durch die Stadtkapelle. Gestärkt und aufgelockert nahm das Auditorium seine Plätze wieder ein und der OB schritt zum zweiten Teil des Empfangs, den Ehrungen. Einen ausführlichen Bericht darüber brachte die Bildschirmzeitung schon am Montag. Marianne Jocham erhielt die Landesehrennadel im Auftrage des Ministerpräsidenten, Christa Göbel, Katharina Teilhof und Gerhard Frick erhielten die Ehrenamtsmedaille der Stadt. Die Urbacher Sammlermusik, die für ihren Zunftmeister „Gere“ Frick ein Ständchen spielte, und dann die Waldseer Sammler mit Musik, einer königlichen Ansprache und den neuesten Sammlerliedern rundeten den Empfang ab.
Text und Fotos: Erwin Linder

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