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„Erneuerer der christlichen Kunst“

Gebhard Fugel in der Sebastianskapelle Haisterkirch



Foto: Günter Brutscher
Fugel`scher Kreuzweg in der Sebastianskapelle bei Haisterkirch. Druck.

Haisterkirch – Am und um dem 20. Januar, dem Gedenktag des heiligen Sebastian, werden wieder viele Pilgerinnen und Pilger sich auf den Weg hinauf zur auf dem Haisterkircher Rücken gelegenen Sebastianskapelle machen (758 m).

Diese birgt, wie weithin bekannt, ein besonderes Deckengemälde des in Oberklöcken (bei Oberzell) im Jahre 1863 geborenen und 1939 in München verstorbenen Gebhard Fugel, der in der Kunstgeschichte auch schon mal als „Erneuer der christlichen Kunst“ im 20. Jahrhundert bezeichnet wird. Dass das große Deckengemälde im Schiff der Kapelle von Fugel stammt, ist nicht nur an der kaum lesbaren Signatur „G. FUGEL“ am unteren rechten Bildrand zu erkennen, sondern vor allem am Stil des unter anderem durch seine 100 Schulwandbilder bekannten Künstlers.

Das zweite Deckengemälde, das im durch ein geschmiedetes Chorgitter vom Schiff getrennt ist, findet meistens weniger Beachtung. Bei näherer Betrachtung kann allerdings festgestellt werden, dass das Gesicht des auf dem Chorgemälde abgebildeten Sebastian in der Rüstung eines römischen Soldaten sehr dem des am Baum mit Pfeilen gemarterten Sebastian im Schiff gleicht.

Zudem hat der Künstler beide Sebastiansdarstellungen mit einem Heiligenschein gemalt. Andere Sebastiansgemälde oder Skulpturen des Heiligen zeigen eher einen jugendlichen Märtyrer mit längeren, meist lockigen Haaren. So gesehen ist der Haisterkircher Sebastian eine gewisse Ausnahme und vielleicht gar ein Spezifikum Fugels. Dies würde die Vermutung nähren, dass auch das Gemälde im Chor, das den Soldaten Sebastian, der Schwert und Pfeil in der linken Hand hält und seine rechte Hand schützend über den Bauernstand, Pferde und Rinder hält, ebenfalls von Fugel ist.

Vielleicht hat er hierfür, weil ohne Signatur, auch nur einen Entwurf gemalt, der dann von jemand anderem ausgearbeitet wurde. In einem Werkverzeichnis von Elisabeth Prégadier, überschrieben mit „Gebhard Fugel, 1864 bis 1939 (unter besonderer Berücksichtigung Oberschwabens)“ wird für die 1931/35 notiert: „Osterhofen bei Bad Waldsee, St. Sebastianskapelle, Deckenbilder: Der hl. Sebastian als römischer Offizier und sein Martyrium“. Dabei ist wohl sicher anzunehmen, dass für das Deckengemälde im Schiff mit dem Martyrium des Heiligen diese Jahresangabe ebensowenig zutrifft wie auf die immer wieder anzutreffende Jahreszahl 1892. Das größere der beiden Deckengemälde entstand wohl um 1910.

Man beachte auch den Kreuzweg

Neben den für eine Kapelle äußerst beachtenswerten Deckengemälden ist auch der Kreuzweg in der Sebastianskapelle eine Betarchtung wert; es sind verkleinerte Druck jenes großen Kreuzwegs, den Fugel in den Jahren 1902 bis 1908 für die Münchner St. Josephs-Kirche freskiert, also auf noch frischen Putz gemalt hat. Diese Fresken wurden bei einem Bombenangriff zerstört. Von den eigentlichen 14 Kreuzwegstationen fehlen in der Kapelle die Stationen 7 (zweiter Fall Jesu unter dem Kreuz) und 8 (Jesus begegnet den weinenden Frauen). Möglicherweise wurden diese schon vor längerer Zeit gestohlen.

So lohnt sich ein Besuch der Sebastianskapelle – mit einem Extra-Blick an die Decke – nicht nur am 20. Januar und um den Gedenktag des Heiligen herum, sondern das ganze Jahr über.

Am 20. Januar um 9.00 Uhr

Das große Haisterkircher Sebastiansfest am 20. Januar beginnt mit einem Gottesdienst um 9.00 Uhr in der Haisterkircher Pfarrkirche St. Johannes der Täufer. Nach dem Gottesdienst gibt es die Möglichkeit, in der Gemeinschaft entlang des Haisterkircher Kreuzwegs (Stationsbilder von Alfred Vollmar) zur Kapelle zu pilgern.

Nähere Hinweise gibt es unter folgender Webadresse:
http://www.wegzeichen-oberschwaben.de/Sebastianskapelle_aktualisiert_Januar2022.pdf

Kreuzwegstation „Jesus fällt unter dem Kreuz“

Deckengemälde im Chor der Sebastianskapelle.

Deckengemälde im Schiff der Sebastianskapelle.




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