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Klangzauber

Acht Spitzenmusiker krönten den zweiten Adventssonntag im Kornhaus



Foto: Peter Lutz
„Klangzauber im Kornhaus“ – so lautete das Motto bei der traditionellen Veranstaltung.

Bad Waldsee – Schon Tradition ist der oberschwäbische Advent im Kornhaus, veranstaltet von der Stadt Bad Waldsee. Unter dem Motto „Klangzauber im Kornhaus“ lud die Stadt zum Adventskonzert, wohl als Ausklang zum stimmungsvollen Weihnachtsmarkt auf der Hochstatt. Sämtliche Tickets waren bereits zwei Stunden nach Beginn des Vorverkaufs am 19. November ausverkauft! Das Motto Klangzauber war weit mehr als berechtigt. Die Salteris mit Salome Hänsler, Violine, Severin Hänsler, Hackbrett, Regina Hänsler, Kontrabass und Georg Dahlmann, Gitarre, sowie die Oberschwaben-Brass mit Hermann Stehle, Waldhorn, Steffen Ocker, Trompete, Martin Rebmann, Posaune, Markus Rist, Tuba und Severin Hänsler, Trompete im Doppel harmonierte großartig.

In Vertretung von OB Matthias Henne eröffnete Bürgermeisterin Monika Ludy den Abend und dankte erfreut den in ganz Oberschwaben prominenten Musikern für ihre Bereitschaft, in die Kurstadt zu kommen. Ebenso dankte sie dem Museums- und Heimatverein für die konstruktive Unterstützung beim Zustandekommen des adventlichen Abends, allen voran Hubert Leißle, Brigitte Hecht-Lang und Ernst Langer. Ludy dankte auch Johanna Hess von der Stadtverwaltung, die für die organisatorische Vorbereitung der traditionellen Adventsveranstaltung zuständig ist. Ihr Grußwort beendete Ludy mit Gedanken zum abgelaufenen Jahr und wünschte, Weihnachten möge die Herzen der Menschen erreichen und bat die Salteris an ihre Instrumente.

Zum Auftakt Gregorianik

Mit ‚Spiritus sanctus vivians‘ führten diese mystisch einfühlsam zurück in die Zeit vor 700 Jahren zu Hildegard von Bingen in die Gregorianik. Dort wird der Heilige Geist als Wurzel der gesamten Schöpfung gepriesen, was die Musiker überzeugend wiedergaben. Salome Hänslers Violine war zunächst nur im Saalhintergrund zu vernehmen, ehe sie effektvoll spielend die passend illuminierte Bühne betrat. Das nun führende Hackbrett war dazu wie geschaffen.Dieser erste Beitrag enthielt auch den Satz drei aus Händels Sonate in h-Moll gekonnt arrangiert, sowie Bachs ‚Wachet auf‘.

Auch Severin Hänsler begrüßte nun die Gäste, forderte sie auf, für den Advent bereit zu sein und dankte dem Museums- und Heimatverein, Ludy, Hess und der Stadt Bad Waldsee für das Zustandekommen des Abends. Die Salteris intonierten nun mit Gustav Holsts ‚In the bleak midwinter‘ ein romantisch-stimmungsvolles musikalisches Winterbild, in dem rieselnder Schnee und ferne Kirchenglocken zu spüren waren. Oberschwaben-Brass folgte mit einem Marsch von Johann Ferdinand Caspar Fischer ‚Nun komm der Heiden Heiland‘ einer Komposition aus dem 17. Jahrhundert, bearbeitet von Jean François Michel. Das Bläserquintett, geleitet von Hermann Stehle (Waldhorn) fand damit einen bestens in die Adventszeit passenden Titel und spielte ihn perfekt.

Nun war klar, diese Formation tritt mit zwei Trompetern auf, mit Steffen Ocker und mit Severin Hänsler! Diesen gewann Stehle bereits in recht jungen Jahren als viel versprechenden und bereits preisgekrönten Trompeter, bevor er sich dem Hackbrett zuwandte! Zweiter Bläserbeitrag war ‚Mary’s Boychild‘, ein sehr populärer, von vielen Interpreten gespielter Titel, komponiert vom Afroamerikaner Jester J. Hairston. Kontrabassistin Regina Hänsler trug ein nachdenkliches Gedicht von Robert Sontheimer vor, in dem der Wandel von Christbaumtraditionen in kurzer Zeit vom nach Tannen und Wachskerzen duftenden Baum hin zum Plastikbaum beschrieben wird und der Enkel gar den Opa fragt, was ist ein Baum. Gibt es so noch wirklich Weihnachten?

Darauf führten die Salteris das Publikum in den hohen Norden ins finnische Lappland, wo ja bekanntlich der Weihnachtsmann mit seinen Elfen zu Hause ist. In der finnischen Komposition ist nordische Musiktradition zu spüren, die auch die Stimmungslagen des mahnenden und lobenden Weihnachtsmanns erkennen lässt. Nordlandkenner konnten unschwer die dort typische Kantele erahnen, die von Severins Hackbrett großartig übernommen wurde. Das folgende ‚Foggy dew‘ war unverkennbar irisches Folk, wie man es beispielsweise von den Chieftains kennt. Eine winterlich-graue und doch adventliche Atmosphäre wurde damit in die Pfeilerhalle gezaubert. Die mystisch-sphärische Spannung wurde an Hackbrett und Hi-Hat und an der Violine in schnellen Wechseln mit Zupfeinlagen deutlich. Die Bläser übernahmen dies direkt als Einstimmung zum Ereignis der Menschwerdung Gottes, das uns Menschen beschützen und Heil bringen soll und spielten aus Händels Oratorium ‚Der Messias‘ die Arie ‚Er weidet seine Herde‘ im Sicilliano-Rhythmus. Im anschließenden, nunmehr humorvollen Beitrag, ruft die Gattin die Familie dazu auf, diesmal den Christbaumschmuck selbst herzustellen, sie habe die Ideen dazu bereits im Kopf. Aber aus welchen Materialien sollte der Schmuck denn sein? Es sollten ausschließlich Strohsterne gebastelt sein …!

Die Bläser folgten ähnlich heiter mit ‚Frosty the Snowman‘ , in dem der Schneemann wegschmilzt und sicher ist, dass er wieder kommen wird. Mit Astor Piazzollas ‚Tanti anni prima‘, ein spezielles Ave Maria, ehrten die Salteris einen argentinischen Komponisten, der sich neben modernem Tango auch mit religiösen Motiven befasste. Diese Komposition verlangt von ihren Interpreten höchste Fertigkeiten und Eingehen auf eine besonders schöne Melodie, was den Salteris bestens gelang. Gleichermaßen herausfordernd war ihr ‚We three kings of orient are‘. Severin Hänsler bat davor das Publikum, sich anzuschnallen, denn die Geschenke für’s Jesukind in Bethlehem mussten auf schwankenden Kamelrücken gut befestigt sein. Und genauso ging’s dann los. Wilde original-orientalische Elemente mit rasanten Läufen waren auf allen vier Instrumenten zu bewältigen und das gelang der Gitarre, dem Kontrabass, der Violine und dem Hackbrett ausgezeichnet. In einem lokalpatriotisch hintergründigen Gedicht von Barny Bitterwolf wurde dann die Geschichte des Waldseer Gemeinderats erzählt, in der er einen Ausflug nach Rom direkt zum Papst unternahm. Und weil sich einer der Räte besonders brav und fleißig wähnte, bat dieser den heiligen Vater während der Audienz, ihn doch dafür gleich heilig zu sprechen. Das endete wohl damit, dass es keineswegs zum Heiligenschein reichte, sondern leider nur zum Scheinheiligenschein.

Danach spielten die Bläser das vor allem durch Bing Crossby populär gewordene ‚Winterwonderland‘, das sie herrlich lebendig umsetzten und so in die Herzen der Besucher drangen und mit einem lustigen Schluss abschlossen. Das folgende ‚Oh du fröhliche‘ eröffnete Severin mit der Information, dass dieses weit verbreitete Weihnachtslied aus Sizilien stamme und dort unter ‚O santissima‘ bekannt sei. Dieses besondere Arrangement war für die Anwesenden zum Genießen.

„Leise rieselt der Schnee“ zum Mitsingen

Mit der Christmas-Version des Titels ‚Java‘ übernahmen die Salteris, begeisternd gespielt, was man besonders Salome anmerken durfte. Danach forderten die Bläser alle zum Mitsingen von ‚Leise rieselt der Schnee‘ auf, was begleitet vom einfühlsamen Quintett locker gelang. Und den folgenden ‚Jingle Bell Rock‘ summte wohl mancher Konzertbesucher leise mit. Zum guten Abschluss des Abends spielten die Salteris als Zugabe ‚Feliz Navidad‘ inklusive einem grandiosen Hackbrettsolo von Severin Hänsler. Man darf nur hoffen und wünschen, dieses Feiern eines Adventssonntags in Bad Waldsee wird es, so großartig besetzt, auch in den kommenden Jahren geben!

Woher kommt der Name „Salteris“?

Zuletzt noch eine interessante Information: Viele fragen sich, wo die Salteris den Namen ihres Ensembles gefunden haben. In einem Gespräch mit Salome Hänsler durfte ich dieses Geheimnis lüften. Demnach war im 18. Jahrhundert in Italien und Spanien eine besondere Bauform des Hackbretts verbreitet. Dieses Instrument war unter dem Begriff Salterio bekannt. Was lag also näher als aus Salterio eine nicht ganz korrekte italienische Pluralform zur Bezeichnung des Ensembles zu übernehmen, zumal das aus dem tiefen Bayern stammende Hackbrett Severins doch oft eine besondere Rolle im Ensemble spielt.

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Fotos: Peter Lutz

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