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Meditative Musik und eine tiefgründige Weihnachtsgeschichte

Faszinierendes Flötenkonzert von Hans-Jürgen Hufeisen in der Evangelischen Kirche



Foto: Ulrich Gresser
Die beiden Musiker Oskar Göpfert (Klavier) und Hans-Jürgen Hufeisen (mit seiner Bassflöte)beim Konzert in der evangelischen Kirche Bad Wurzach.

Bad Wurzach – Die Zuhörer, die in der evangelischen Kirche in Bad Wurzach der Musik von Hans-Jürgen Hufeisen (diverse Block-Flöten) und Oskar Göpfert (Klavier) lauschten, bekamen nicht nur wunderbar entspannende Musik geboten, nein, Hufeisen überraschte sie auch mit einer wunderbar tiefgründigen Weihnachtsgeschichte.

„Hufeisen „bringen“ Glück“, sagt man: Ist ihre Öffnung oben, fällt es nicht heraus. Ist sie unten, kann das Glück auslaufen und sich verbreiten. Ist sie rechts, so wird aus dem Hufeisen der Buchstabe C. Also ein Glückssymbol, das für Christus steht“ – mit diesen auf den Namen des bekannten Flötisten anspielenden Worten begrüßte Pastoralreferent Raimund Miller die rund 160 Konzertbesucher an diesem Weihnachtsmarktsonntagabend. „Musik wiederum „macht“ glücklich, indem sie unser Inneres verändert – Herzschlag, Blutdruck, Atemfrequenz und Muskelspannung.“ Aber vor allem, weil die sie Ursache für die Ausschüttung von Glückshormonen sein könne.

Dank an die Sponsoren

Superglücklich zeigte er sich über die Vielzahl von Sponsoren, denn durch sie war es möglich, die eingenommenen Eintrittsgelder fast komplett der Bad Wurzacher Tafel zur Verfügung zu stellen. Ein besonderer Dank ging an Michael Kuczera, der die Idee für das Konzert hatte.

Bewegende Geschichten aus dem Leben Hufeisens

Der wohl beste Flötenspieler Deutschlands, Hans-Jürgen Hufeisen, erzählte im Rahmen des Konzertes, dass er gemeinsam mit seinem langjährigen musikalischen Partner Oskar Göpfert am Klavier gab, nebenbei auch einige Geschichten aus seinem Leben. Nachzulesen sind diese auch in der Biographie „Das unglaubliche Leben des Flötenspielers Hans-Jürgen Hufeisen“. Seine Mutter verließ den Säugling, der in einem Hotel auf die Welt kam. Der Wirt fand ihn nach zwei Tagen unter einer Decke. „Das, woran sich Hufeisen heute erinnert, ist nicht etwa die Angst vor dem Ersticken, sondern das Erscheinen des Lichts beim Hochheben der Decke,“ heißt es in der Biographie. Er wuchs in Heimen auf, wünschte sich mit sechs Jahren eine Blockflöte, die er auch bekam. Eine Erzieherin erkannte sein Talent und ging mit ihm in den Wald um ihm „Unterricht“ zu geben. „Hier hast du das Mundstück der Flöte und jetzt versuche mal die Geräusche eines Vogels nachzuahmen oder das Rauschen des Windes oder was weiß ich, das Krabbeln oder das Gehüpfe von Tierchen oder das schnelle Gehen einer Maus. Das war gar nicht einfach, aber es funktionierte.“

Und damit das Publikum in Bad Wurzach davon einen Eindruck bekam, scheute er sich nicht, selbstironisch diese Übungen vorzuspielen. Mit einem feinen Humor gesegnet, verteilte Hufeisen auch kleine Seitenhiebe auf Luther und die evangelische und katholische Kirche, etwa wenn er der katholischen Kirche bei der Darstellung seiner besonderen Weihnachtsgeschichte, die er erzählte, die größere und schönere Flöte zugestand.

Doch zurück zum Anfang der Weihnachtsgeschichte, die Hans-Jürgen Hufeisen erzählte und mit seiner Musik begleitete: „Macht hoch die Tür“ zur Verkündigung der Englischen Heerscharen an Maria und Elisabeth, die zugleich schwanger wurden, und wie der Erzengel Gabriel dem „ungläubigen“ Zacharias verkündet, dass seine Frau mit Johannes dem Täufer schwanger ist. Oder „Maria durch den Dornwald geht“, als ihr der Engel erscheint und ihr die frohe Botschaft verkündet, wobei Hufeisen dabei spielend durch die Zuschauerreihen geht.

„Nach neun Monaten wuchsen aus den Dornen Rosen…“

Eine Spitze gegen Martin Luther konnte sich Hufeisen dann nicht verkneifen, als er erzählte, wie der Engel weiterzieht zu den „Hirtinnen“, die Ziegen hüteten. „Hier müsste Luther bei der Übersetzung nacharbeiten, weil es damals Mädchen waren, welche die Ziegen hüteten, denn Schafe konnten dort nicht überleben.“

Hufeisen verwöhnte die Zuhörer mit Bach-Cantaten und Wiegen- und Volksliedern wie „Eilet nach Betlehem“. Die von Raimund Miller in seiner Begrüßung erwähnte Veränderung im Inneren wurde bei manchem Zuhörer angesichts der faszinierenden Klänge sichtbar: mit geschlossenen Augen lauschten sie mit einem entspannten Lächeln auf den Lippen der Musik des kongenialen Duos.

Den drei Weisen aus dem Morgenland, die, nachdem sie dem Kind in der Krippe Gold, Weihrauch und Myrrhe dargebracht hatten, sich in der Wüste schlafen gelegt hatten, erscheint der Engel des Herrn im Traum. „Geht nicht zurück nach Jerusalem, besucht nicht die Regierenden,“ lautet seine Anweisung. Hufeisen versetzt diese Weihnachtsgeschichte, insbesondere die der Könige aus dem Morgenland, ins Jahr 2024. Drei Kinder machen sich auf den Weg nach Bethlehem. Ein elfjähriger Kindersoldat aus dem Iran, ein Nachfahre des Weisen Caspar aus dem Iran, möchte dahin, wo seine Vorfahren das Licht gesehen haben, nach Bethlehem. Er möchte sich aus den Zwängen des Soldatenseins befreien. Das zweite Kind, das nach Bethlehem „eilen“ möchte, ist ein zehnjähriges Mädchen, eine Nachkommin des Scheich Melchior, das mit ihrer Flöte rund um Aleppo in der Wüste Ziegen hütet. Es will dort einfach auf ihrer Flöte spielen. Hufeisen untermalt diese Geschichte mit dem Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“ wo es im Text heißt „Ich komme, schenke Dir was Du mir gegeben hast.“ Das dritte Kind ist ein Nachkomme von König Balthasar, ein neunjähriger Junge aus Petras in Jordanien. Der ersehnte Ort, den er entdecken will, liegt ganz in der Nähe, denn Bethlehem liegt Luftlinie nur 40 km entfernt. Allerdings trennen ihn und sein Maultier 1.000 Höhenmeter von der gelobten Stadt. Denn er führt mit seinem Maultier noch heute Menschen durch die historischen Stätten. Denn er möchte einen Tanz um Wasser aufführen, denn der große Fluss, der dem ganzen Land den Namen gab, der Jordan, ist fast ausgetrocknet, weil die anderen Länder am Oberlauf den Jordaniern buchstäblich das Wasser abgraben.

Hufeisen spielte dazu den Palmentanz, ein ursprünglich aus Jordanien stammender, aber von Israel übernommener Volkstanz. „Es wäre toll, wenn er heute hinüberschwappen würde und zwei Kulturen verbinden würde,“ kommentierte der Starflötist, der schon den Speyerer Dom oder die Basilika in Weingarten mit seiner Musik bis auf den letzten Platz gefüllt hatte.

Das Konzert endete mit dem Segen durch Pfarrerin Cora Boettiger, die den Besuchern eine schöne Adventszeit wünschte, „die nicht schöner hätte starten können.“

Viele Bilder in der Galerie



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Fotos: Ulrich Gresser

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