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Höhenrettung am Kirbe-Montag

Da konnte die Wehr zeigen, was sie kann



Foto: Erwin Linder
Höhenrettung vor Publikum: Die Schauübung am „Kirbemontag“ stieß auf großes Interesse. Rechts im Bild Florian Becker, der die Übung erläuterte.

Bad Waldsee – Der Kirbemontag in Bad Waldsee steht traditionell im Zeichen der Floriansjünger, die auch in diesem Jahr wieder mit Können und Gerät vor der Bürgerschaft glänzen konnten. Das Wetter war prächtig und es hatten sich viele Zuschauer, darunter auch Bürgermeisterin Monika Ludy, Alt-Bürgermeister Rudolf Forcher und „Feuerwehrmutter“ Sonja Wild, eingefunden. Natürlich war auch OB Henne vor Ort.

Qualm drang aus einem Fenster des Neuen Rathauses. Ein Verletzter hatte sich auf das Baugerüst gerettet. So sah das Einsatzszenario für die Bad Waldseer Wehr aus.

Florian (nomen est omen) Becker erläuterte den zahlreichen Besuchern das Spektakel. Als erstes bekam das neue Einsatzfahrzeug des Bauhofes seinen Auftritt. Nach den Erfahrungen mancher Katastropheneinsätze, bei denen der Strom, somit oft auch die Kommunikation mit Rundfunk- und TV-Geräte, Festnetz- und Mobil-Telefone, ausgefallen war, hat sich die Stadt nun eine mobile Sirene angeschafft.

Das Sirenenfahrzeug.

„Achtung, jetzt wird’s laut“, warnte Becker am Mikro und die Sirene ließ ihren durchdringenden, auf- und abschwellenden Ton hören. Das ging wirklich durch Mark und Bein. „Damit kann die Feuerwehr alarmiert werden, wenn alle anderen Möglichkeiten zusammenbrechen“, erfuhren die Zuschauer.

Mit Tatütata und Blaulicht fegte der Wagen des Einsatzleiters um die Ecke. Stoppte vor dem Neuen Rathaus. Ein Feuerwehrmann in gelber Warnweste sprang aus dem Auto, schaute sich schnell, aber gründlich um, spurtete um die Ecke. „Das ist der Einsatzleiter“, kommentierte Florian Becker das Geschehen. „Er macht sich als erstes ein Bild von der Situation, damit er die Kräfte richtig einteilen kann.“

Dann ging’s es Schlag auf Schlag, Fahrzeug auf Fahrzeug. Gerätewagen, Mannschaftswagen , Drehleiter – der Platz vor dem Gebäude füllte sich im Handumdrehen mit Einsatzfahrzeugen. Die Blaulichter zuckten, die Feuerwehrleute rollten Schläuche aus. Spezialeinsatzkräfte mit Atemschutz machten sich bereit. „So 15 bis 20 Kilo schleppen wir schon mit uns rum“, gab einer hinter seiner Atemmaske Auskunft. „Bei mir sind’s 30 Kilo mehr“, scherzte sein fülliger Kamerad.

Es waren noch keine fünf Minuten vergangen. Zwei Mann mit Spezial-Kletterausrüstung enterten das Baugerüst. „Da haben sich die Waldseer eine knifflige Situation rausgesucht“, kommentierte Oliver Surbeck, Kreisbrandmeister und extra für den Kirbemontag nach Bad Waldsee gekommen. „Jetzt kann die neu aufgebaute Abteilung der Höhenretter endlich mal zeigen, was in ihr steckt. Die Abteilung in Bad Waldsee aufzubauen war wichtig und richtig, denn bis die nächste Spezialabteilung aus dem Schussental anrücken kann, braucht’s doch mindestens 20 Minuten.“

Inzwischen sind die beiden Höhenretter im Baugerüst unterwegs. Um vom ersten in das zweite Geschoss des Gerüsts zu kommen, klappen sie eine Leiter herunter und öffnen eine Luke. Jetzt können sie zum Verletzten hochsteigen.

Inzwischen wird die Drehleiter präpariert. Hier in der Innenstadt ist alles eng. Der Leiterfahrer muss sein ganzes Können einsetzen. Den Korb anheben, um 180 Grad drehen, auf die Erde absenken. Zwei Mann lösen den Korb. Befestigen ein langes Band an der Spitze der Leiter. Daran machen sie die Trage fest. Die Leiter fährt aus. Bringt die Trage auf Höhe des Verletzten. Ein Mann hält ein Sicherungsseil, damit die Trage nicht wild hin- und herschwingt. Die Trage wird in das Gerüst eingefädelt. Kommt neben den Verletzten.

Inzwischen suchen Feuerwehrleute mit Atemschutz das Gebäude ab. Es qualmt noch immer. Eine Person wird herausgebracht. In Obhut des Roten Kreuzes gegeben.

Surbecks Lob

Die Höhenretter mühen sich mit der Trage ab. Mit dem Verletzten kann sie die Drehleiter nicht mehr aus dem Gerüst ausheben. Von Hand kriegen sie die Geländerstangen des Gerüstes nicht auf. Eine Axt muss her. Die wird mit einem Seil nach oben gezogen. Ein paar Hiebe mit der Axt. Die Geländerstange löst sich. Die Wehrmänner sind sicher an ihren Haltegurten eingehängt. „Sicherheit steht an erster Stelle“, meint Kreisbrandmeister Surbeck und verfolgt die Szene mit Kennerblick. „Gut machen die das“, lobt er.

Obwohl es nur Minuten dauerte, ist es eine gefühlte Ewigkeit, bis die Trage aus dem Gerüst ausgefädelt ist und nach unten schwebt. Die Rettungskletterer müssen Nerven aus Stahl haben, wenn sie bei einem echten Feuer direkt neben dem Brandherd konzentriert ihrer Arbeit leisten.

Die Trage mit dem Verletzten kommt am Boden an. Beifall brandet auf. „Das haben sie richtig gut gemacht“, lobt der Brandmeister seine Kameraden.

Schläuche und anderes Material werden wieder zusammengepackt. Die Fahrzeuge sind abfahrbereit. Jetzt sind die Kinder an der Reihe und dürfen eine Runde im echten Feuerwehrauto mitfahren. Einmal um den Stock und wieder auf die Hochstatt.

Die aktiven Wehrmänner und jene Uniformträger, die heute (21.10.) nicht im Einsatz waren,  sowie der Spielmannszug formieren sich hinter der Fahne zum Appell. Markig befiehlt der Bad Waldseer Kommandant Alois Burkhardt: „Augen, geradeaus!“ Die Wehrmänner stehen stramm vor ihrem Dienstherrn Oberbürgermeister Henne. Wie immer findet der die richtigen, lobenden Worte für „seine“ Wehr. „Ihr habt eine wunderbare Leistung abgeliefert und gezeigt, dass die Lehrgänge und die vielen Übungsstunden auch in die Praxis umgesetzt werden können.“ Dafür bedanke er sich im Namen der Bevölkerung und des Gemeinderates und er versprach auch in Zukunft den Rückhalt des Rates, wenn neues Gerät notwendig würde.

Die Beteiligten an der Schauübung treten vor OB Henne an.

Anschließend machte sich die Wehr mit klingendem Spiel des Spielmannszuges auf den Weg zurück ins Feuerwehrhaus und für die Kinder gab’s noch Seelen vor der Stadthalle auf der Bleiche.
Text und Fotos: Erwin Linder

Viele Bilder in der Galerie



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Fotos: Erwin Linder

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