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Vortragsabend der Bad Waldseer GRÜNEN in der Bauernschule

Dr. Ulrich Walz macht sich für ein klimaneutrales Bad Waldsee stark



Foto: Hans Reichert
Dr. Walz bei seinem Vortrag  am Mittwoch in der Bauernschule. Etwa 50 Personen umfasste das Auditorium. Der Veranstaltung des grünen Ortsverbandes wohnten auch einige Kritiker der propagierten Energiewende bei. 

Bad Waldsee – Klimaneutralität heißt: einfach nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als auf natürlichem Weg in Wäldern, Mooren und Grünland reduziert werden. Dieses hehre Ziel soll bis 2045 erreicht werden, als Zwischenziel gilt eine Reduzierung um 65 % bis zum Jahr 2030. 

Auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt müssten die alten fossilen Energien durch erneuerbare ersetzt werden, forderte Dr. Ulrich Walz auf einer Veranstaltung der Bad Waldseer Grünen in der Bauernschule. Auf der Erzeugerseite „fossil“ durch „erneuerbar“ zu ersetzen, werde aber nicht reichen. Es müsse auf der Verbraucherseite „Genügsamkeit“ dazukommen, sowohl im privaten als auch öffentlichen Bereich, mahnte Dr. Walz, der dieses Einsparpotenzial mit 30 % veranschlagt.

Walz fordert vier bis fünf WKA im Bereich Bad Waldsee

In Bad Waldsee werde die Hälfte der Energieeinsatzes für Wärme genutzt, für Verkehr sei es ein Drittel und für Strom 15 %. Damit diese Mengen künftig aus regenerativen Quellen kommen, müsste Bad Waldsee vier bis fünf Windkraftanlagen (WKA) und 17 bis 20 Hektar Freiflächen-Solaranlagen haben, rechnete der Referent vor.

Was schon getan wird

Reduzierte Versiegelung, klimaneutrale Baugebiete, viel Grün, geschützte Wasser- und biodiverse Bodenflächen, vernässte Moore und Ende des Moorabbaus – es wird schon viel getan. Immer wieder brachte Dr. Walz in seinem wissenschaftlich fundierten Vortrag den Ernst der Lage in den Blickpunkt: Emissionen senken, Moore stärken und ein Lebensstil, sei es beim Essen, im Einsatz von Mobilität und beim Flächenverbrauch, der klimaschonend ist – das sind Forderungen des studierten Biologen.

Kann man im post-fossilen Zeitalter lustvoll leben?

Margarete Bareis vom grünen Ortsverband stellte gleich zu Beginn die Frage in den Raum: „Wenn wir kein CO2 mehr ausstoßen und post-fossil leben, reicht dann die Energie für die vielen geilen Sachen, die wir machen?“ Und wie wird die Welt aussehen, wenn wir jetzt die Dinge zum Sparen nicht machen? Ohne die Bürger wird es die Klimawende nicht geben, sagte Walz. „Man muss die Menschen emotional erreichen, das gute Gefühl kommt mit dem eigenen Strom vom Dach. Wir müssen die Herzen der Menschen erreichen und nicht nur aufzählen, was wir tun sollen!“ 

„Man muss die Dächer vollmachen“

Es muss jetzt steil abwärts gehen mit den Emissionen, machen die Zahlen und die Regierungsziele auf den von Dr. Walz gezeigten Folien deutlich. Die Mittel zur Reduzierung: Windkraft, PV-Anlagen auf Dächern, Wärmepumpen und E-Mobilität. Leider, so Walz, werden erst 20 % der geeigneten Waldseer Dächer für Photovoltaikanlagen genutzt. In Aitrach seien es 43 %, weil dort eben großflächige Dächer von Bauernhöfen genutzt werden. Auf Waldseer Dächern liege so viel brach wie dreieinhalb Windkraftanlagen liefern können. Dr. Walz: „Man muss die Dächer vollmachen.“ 

 Mehr privates Engagement gefordert

„Das Geld nicht nur auf dem Konto lassen, sondern den Kindern übergeben für Investitionen von Solardach und Balkonkraftwerk!“  Diesen Rat hatte ein älterer Besucher bereit. Der Ertrag sei auch höher als die Banken an Zins zahle. Wer dazu Beratung braucht: 33 PV-Scouts seien zur Beratung bereit, einer davon sei Dr. Ulrich Walz.

„Verschandelung und Industrialisierung der Landschaft“

„Mit den Windkraftanlagen laufen wir in eine flächendeckende Industrialisierung“, klagte Wolfgang Hübner und Reinhold Mall bedauert die Verschandelung der Landschaft und den mangelnden Natur- und Vogelschutz. Der Kurbetrieb würde Schaden nehmen. Aber Dr. Walz sieht ein klimaneutrales Bad Waldsee als eine positives zukünftiges Alleinstellungsmerkmal. Die Diskussion geriet darüber in emotional aufgewühlte Fahrwasser. Für Wolfgang Hübner ist die Energiepolitik der Landesregierung nicht zielführend, der Bürger werde bei den Angaben zum Flächenbedarf für Windkraft und Freiflächen-PV getäuscht. Ein Vertreter aus Vogt sprach wörtlich von „Märchen“. Hübner beklagte zudem die Form der Aussprache, das sei keine demokratische Diskussion, sondern gelenkt. Die lebhaft und emotional geführte Diskussion im Plenum endet um 21.45 Uhr, wie von den Veranstaltern vorgegeben. In kleinen Runden gingen die Diskussionen noch weiter. 
Hans Reichert.

Die Ortsgrünen hatten zu der Veranstaltung „Klimaneutrales Bad Waldsee bis 2045“ geladen. Unser Bild zeigt den Referenten Dr. Ulrich Walz, selbst Mitglied der Grünen, mit den Ortsverbandsvorständen Margarete Bareis und Volker Jedelhauser.

Aus Bad Wurzach waren die Landschaftsschützer Dr. Wolfgang Hübner (rechts) und Reinhold Mall gekommen. Sie halten Windkraftanlagen im Umfeld des Wurzacher Riedes für schädlich.

Der Abend war geprägt von engagierten Wortbeiträgen.

Die blaue Linie beschreibt die bis jetzt erreichte Reduzierung des CO2-Ausstoßes in Deutschland. Die rote Linie beschreibt die Reduzierungsziele der Bundesregierung, die laut dieser von Dr. Walz gezeigten Grafik das 1,5-Grad-Ziel des Pariser-Klimaschutz-Abkommens nicht erreichen.

Auf jede Person in Bad Waldsee entfällt im Schnitt pro Jahr ein CO2-Ausstoß von 6.4 Tonnen (im Land Baden-Württemberg sind es 5,3 t, im Bund 10,5 t und in Bad Wurzach mit dem Sonderfall Glasfabrik sogar 14.3 t).




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