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Ausstellung geht bis 6. Oktober

René-Auer-Retrospektive im Museum im Kornhaus



Foto: Erwin Linder
Was für ein Paar! René Auer und seine Frau Gertrud, beide 90 Jahre alt, seit 60 Jahren miteinander verheiratet. Fotografiert bei der Ausstellungseröffnung am 18. August.

Bad Waldsee – Seit Sonntag, 18.8., ist im Kornhaus-Museum eine große René-Auer-Ausstellung zu besichtigen. Sie zeigt ein breites Spektrum der Arbeiten des Bad Waldseer Künstlers über viele Jahrzehnte. Damit ehrt der Museums- und Heimatverein sein langjähriges Mitglied zum 90. Geburtstag.

René Auer ist Träger der Bad Waldseer Bürgermedaille. Gestaltet von ihm selbst. Der Oberbürgermeister trägt zu offiziellen Veranstaltungen seine Amtskette. Gestaltet von René Auer. Am 11.11. versammelt sich das Närrische Volk am Federlesbrunnen auf der Hochstatt. Eine Arbeit von René Auer. Und wenn die Waldseer das Lied von der Schwäbischen Eisebahne singen, haben sie das Eisenbahndenkmal in Durlesbach vor Augen. Und wie könnte es anders sein, auch das hat René Auer geschaffen. Wenn man in Bad Waldsee unterwegs ist, stößt man auf viele Spuren, die der Künstler im Laufe seiner langen Karriere hinterlassen hat. 

Laudatio von Elisabeth Klass

Elisabeth Klass (Bild), die bei der Vernissage die Laudatio hielt, bezeichnete das Werk von Auer mit den Begriffen: „kreative Vielfalt; erfindungsreiche breite Skala; künstlerische Buntheit; fantasievolle Fülle; innovative Klaviatur; originelle Variationsbreite; schöpferische Reichhaltigkeit; einfallsreiche Verschiedenartigkeit; ideenreiche Mannigfaltigkeit; künstlerischer Rausch; erfinderische Vielgestaltigkeit; genialer Reichtum; fantasiereiche Ideenpalette; ingeniöses Spektrum; konstruktive Genialität“. Damit, meinte sie, wäre das Werk eigentlich umschrieben.

Die Ausstellung umfasst Werke aus der ganzen Schaffensperiode Auers, von den späten Fünfziger-Jahren bis in die Gegenwart.

Zu Beginn: Technische Grafik

Nach seiner künstlerischen Ausbildung arbeitete Auer in einem Atelier für Technische Grafik in Wangen. 1962 machte er sich selbstständig.  Er bekam Aufträge aus der Industrie. Beispielhaft eine Darstellung einer Papiermaschine zum „Hineinschauen“. Heute gibt es Computerprogramme, die eine Maschine in allen Einzelheiten darstellen, drehen und wenden können. 1962 gab es noch nicht mal Taschenrechner. Nur anhand von zweidimensionalen technischen Zeichnungen, vom Hinschauen, vielleicht noch von ein paar Fotoaufnahmen und in erster Linie vom Begreifen der Funktionen konnte Auer ein dreidimensionales Bild erstellen, mit dem ein „Verkaufsingenieur die Maschine beim Kunden in allen Einzelheiten erklären konnte“. Originalton Hubert Leißle bei der Begrüßung. Er wusste, wovon er sprach, war er doch selbst mit den Darstellungen von Auer im Verkauf unterwegs.

Hubert Leißle, der Vorsitzende des Museums- und Heimatvereins, bei der Begrüßung.

Eine Passion: die Fasnet

Ein großes Aufgabenfeld fand Auer, der Sohn Waldsees, natürlich in der Fasnet. Klass sagte: „ Gibt es irgendwelche Wünsche von Darstellungen oder Aufträge zum Thema Fasnet, so ist Auer gefragt. Er entwirft Fahnen, Urkunden, Abzeichen, bringt sämtliche Narrenguppen zusammen auf eine Leinwand, entwarf und bemalte das Häs der Narros und Faselhannes usw. Die Darstellung der Waldseer Fasnet wäre um vieles ärmer, gäbe es nicht die unermüdliche Arbeit von René Auer.“  

Noch eine Leidenschaft: Kalligrafie

Die Ausstellung zeigt auch Kulissen für Theateraufführungen und Auers Meisterschaft in der Kalligrafie. Ebenfalls großer Raum ist seinen freien malerischen und zeichnerischen Arbeiten gewidmet. Dazu sagte Frau Klass: „Hier in dieser Ausstellung ist dieses Thema belegt durch die Bildergruppe „Sinalunga“. Eine beneidenswerte perfekte perspektivische Darstellung der Architektur. Wer ihm zuschaut, wie schnell er eine Raumperspektive mit sicherer Hand zeichnet, ist beeindruckt.“

Grüße von Seiten der Stadt

Bürgermeisterin Monika Ludy (Bild) überbrachte die Grüße der Stadt und des OB Matthias Henne, der im Urlaub weilte. Und vielleicht war diesmal Ludy, als ebenfalls gebürtige Waldseerin und langjährige Wegbegleiterin Auers, auch die authentischere Rednerin. 

Der Mann mit der Mütze

„Markenzeichen Baskenmützenträger, liebenswerter und liebenswürdiger, fröhlicher und humorvoller, sympathischer und hilfsbereiter Mensch, liebevoller Ehemann und treuer Freund, Ur-Waldseer und Sohn der Stadt, Multitalent und begnadeter Künstler, kreativer Gestalter und genialer Designer, Ideenreicher Dekorateur, fleißiger Schaffer, Turner, Humorist, Theaterspieler, Träger der Bürgermedaille der Großen Kreisstadt Bad Waldsee“ – damit umriss sie Charakter und Tätigkeiten Auers. Und sie fuhr fort: „Der Künstler René Auer ist es wohl wert, so geehrt zu werden, und Bad Waldsee ist froh und glücklich, einen immer noch so tüchtigen und schaffensfreudigen Künstler zu haben.“

Die Säulenhalle des Museums war zur Vernissage gut gefüllt. Unter den Gästen fand man auch Minister a.D. Rudolf Köberle, Axel Müller MdB, Altbürgermeister Professor Rudolf Forcher mit Frau und den früheren Stadtkämmerer und Ersten Beigeordneten Alfons Fiegel mit Frau.

Für die Musik sorgte die Gruppe Salteri (Bild) aus Aulendorf, die extra für René Auer ein Medley aus seinen Wunschliedern „Oh, mein Papa“, „Waldseer Narrenmarsch“ und „Auf der Schwäbsche Eisebahne“ arrangiert hatten.

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Oktober 2024 zu den Öffnungszeiten freitags, samstags und sonntags jeweils von 13.30 Uhr bis 17.30 Uhr zu sehen.
Text und Fotos: Erwin Linder

In der Bilder-Galerie Fotos ausgewählter Exponate

Unter „Lesen Sie hierzu auch …“ finden Sie einen Bericht von der Ehrung René Auers durch den Museums- und Heimatverein am 16. August



BILDERGALERIE

Fotos: Erwin Linder

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