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Leserbrief

Die Wangener haben es vorgemacht



Zur Diskussion um den geplanten Naturerlebnis- und Beobachtungsturm im Wurzacher Ried

Wirklichkeit und Idee: Während der Wangener Turm (links) realisiert ist, ist der Bad Wurzacher Turm noch in der Diskussion.

Ein Lehrstück für Stadtentwicklung

„Eine große Vision und eine großartige Chance für die Zukunft“ hat Wangen mit einem lang gehegten Plan verwirklicht: Zu bewundern in dem großflächig neu gestalteten Gelände der Landesgartenschau. Von der Altstadt führt uns der Weg durch das neu gestaltete Gelände der aufgelassenen Weberei, wo sich früher viele Wangener ihren Lebensunterhalt verdienten, und weiter entlang der renaturierten Argen in den Erlebnispark hinein. Gekrönt wird unser Ausflug durch die Besteigung der hundert Stufen des eindrucksvollen Aussichtsturms mit weitem Blick in unsere wunderschöne Voralpenwelt. Der alte Spruch „In Wangen bleibt man hangen“ wurde mit neuen Inhalten gefüllt, mit gesteigerter Lebensqualität und mit zusätzlichem Erlebniswert, ein Lehrstück für Stadtentwicklung.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat das schönste Städtchen im Land? In diesem Wettstreit war auch die Führungsmannschaft unserer Stadt Bad Wurzach nicht untätig. Belegt mit der professionellen Präsentation unserer Verantwortungsträger unter Leitung unserer Bürgermeisterin zum Turm-Projekt im Ried, wie dies in der Videoaufzeichnung von der Einwohnerversammlung im Kurhaussaal vom 24. April nachvollzogen werden kann (Link zur Aufzeichnung am Ende des Artikels). Dazu sind wir diesen Profis zu Dank verpflichtet. Die erkennbare Strategie: Unter größtmöglicher Wahrung des Naturschutzes soll uns Bürgern und unseren Besuchern ein repräsentativer Einblick in unseren Naturschatz Ried gewährt werden und gleichzeitig soll die Nutzungsgeschichte des Riedes mit den hinterlassenen Spuren erzählt werden, an einem spannenden vorgeprägten Ort mit Geschichte, wo die Exponate scheinbar fluchtartig im Moor zurückgelassen wurden.

Eine gelungene Synthese: Umweltbildung, Naturerleben und Vermittlung eigener Industriegeschichte

Eine gelungene Synthese aus Umweltbildung, Naturerleben und Vermittlung eigener Industriegeschichte mit den Mühen des damaligen Erwerbslebens, gar nicht so lange her. Und wie in Wangen steht am Zielpunkt des Erlebnispfades als Höhepunkt ein Turm. Kein modern und auffällig gestalteter Aussichtsturm wie er zum Thema in Wangen passt, sondern ein Erlebnisturm mit Exponaten, Gucklöchern und der Möglichkeit, etagenweise in die verschiedenen Ebenen des Riedes hineinzuschauen. Ein Turm der sich von seinem Erscheinungsbild harmonisch und bescheiden ins Ried unterordnet und Einblick in die Entwicklungsgeschichte dieses Naturraums gewährt.

Der Bürgermeister von Wangen berichtet von seinem Projekt über viele kritische Stimmen, welche zu überzeugen waren. Vorrangig die Befürchtung der hohen Kosten und der Risiken, dass da was schieflaufen könnte und am Ende die Stadt „blechen“ muss. Gleiches war auch in der Diskussion im Kursaal zu vernehmen. Viele Bedenken wurden in der Einwohnerversammlung geäußert, die bei genauem Nachschauen in der zuvor gezeigte Präsentation schon davor geklärt waren; ganz oben: die Befürchtungen, dass das Geld falsch ausgegeben wird, viel Unerwartetes passieren könnte und am Ende das Geld nicht reicht. Sind diese Ängste gar in unseren schwäbischen Genen verwurzelt, aus einer Zeit, wo noch jeder Pfennig ein paar Mal umgedreht werden musste und Mama noch die Socken gestopft hat?

Stillstand wird zu Rückstand

Wie hat doch Johannes Warth aus Waldsee vor neun Monaten anlässlich der eindrucksvollen Präsentation zum neuen Kurhausprojekt den typischen schwäbischen Einwand auf eine neue Idee charakterisiert: „Was koscht denn des? – Des hommer scho immer so g`macht Und was saget au d`Leit?“ Damals hat der vollbesetzte Saal schallend gelacht, niemand wollte sich identifiziert sehen mit so viel Pessimismus und Bedenkertum. Nein so wollen wir mehrheitlich nicht denken und handeln, denn Stillstand ist bekanntlich Rückstand.

Mutig Zukunft gestalten – wie die Kurhaus-Genossen

Wie man mutig Zukunft gestaltet, hat uns das unternehmerisch denkende junge Kurhausgenossenschaftsteam vorgemacht. Dieses dynamische Team hat sich zum Ziel gesetzt, unser Kurhaus in eine Kulturschmiede mit dem neuen Treffpunkt „Torfstecher“ zu verwandeln und viele Bürger haben sich mit Begeisterung dem Projekt als Genossen angeschlossen.

In diese Aufbruchstimmung passt in einer Linie unser Turmprojekt, welches am Ende die Plätze im Torfstecher mit Bürgern und überwiegend mit Besuchern füllen wird, denn die Besucher wollen was erleben und das soll ihnen in Wurzach geboten werden. Dann werden auch die für unsere Stadt verbleibenden Kosten schnell mit Zusatzeinnahmen beglichen werden und dann wird man uns wie die Wangener um diese neue Attraktion beneiden. Das ist vorwärts gerichtetes Handeln und so sollten wir uns mutig diesem zukunftsweisenden Turmprojekt unserer Stadt stellen.
Dr. Wolfgang Hübner, Bad Wurzach



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