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Vortrag beim Seniorennachmittag

Am Ende sang man das Eisenbahnlied



Foto: Julian Aicher
Sehr gut besucht war der Eisenbahn-Vortrag beim ökumenischen Seniorennachmittag am 11. April im Bankettsaal des Neuen Schlossen.

Kißlegg – Donnerstagnachmittag, 11. April, kurz nach 14.30 im Bankettsaal des Neuen Schlosses Kißlegg. Trotz vergleichsweise warmer Vorfrühlingssonne sorgen rund 80 meist nicht mehr ganz junge Besucherinnen und Besucher für einen rappelvollen Vortragsraum bei diesem Altennachmittag. Mitveranstalterin Margret Kehle (Bild) kündigt am Mikrofon freudig Dr. Eberhard Fritz als Redner an. Sein Thema: Geschichte der Eisenbahn/Geschichte der Eisenbahn in und um Kisslegg.

„Die Züge wären sensationell pünktlich“, sagt Fritz (Bild) an diesem Nachmittag.. Noch bis 1975 sei die Bahn das wichtigste Verkehrsmittel im Land gewesen. Heute stehe sie dagegen „in einem schlechten Ruf“.  Fritz, der von 1987 bis Februar 2024 dem Haus Württemberg in Altshausen diente, benannte Reisende, die im Januar 2023 befürchteten, beim Warten auf verspätet rollende Anschlusszüge in Kisslegg fast zu erfrieren. Dabei sei die Bahn noch vor 50 Jahren so beliebt gewesen, dass selbst die deutsche Fußball-Nationalmeisterschaft mit ihr von A nach B fuhr.

Vortragsredner Fritz machte in diesem Zusammenhang auf einen Geburstag aufmerksam: 2025 werde die Eisenbahn insgesamt 200 Jahre alt. Was mit den ersten Gleisen in Großbritannien begonnen habe, löste ab etwa 1860 auch im Allgäu Begeisterung aus. Städte und Gemeinden kämpften damals um einen eigenen Eisenbahnanschluss. Am Bahnhof Kißlegg, der als „römischer Bahnhof mit Risaliten“ errichtet wurde, rollte 1870 der erste Zug ein. Fürst Eberhard II. von Waldburg freute sich offenbar so darüber, dass er seinen Wohnsitz von Wurzach nach Kisslegg verlegte.

Gebau in der Mitte zwischen Paris und Alt

Die neuen Gleise brachten sowohl mehr Tempo beim Reisen als auch fleißige Arbeitskräfte, die in Orten mit neuen Bahnhöfen für einen Wirtschaftaufschwung sorgten. Jetzt war es auch leichter möglich, in größere Städte zu fahren – und dort die jüngsten Modetrends zu bestaunen. 1879 folgte die Verbindung Kisslegg – Wangen. Um 1890 galt Kisslegg schließlich als wichtiger Bahnknotenpunkt. Als Jahrzehnte später so mancher Bahnhof wieder geschlossen wurde, kämpften Industriebetriebe darum, einen Gleisanschluss behalten zu dürfen. Etwa „alno“ in Pfullendorf. Altshausen setzte sich für den Erhalt seines Bahnhofs mit einer bemerkenswerten Begründung ein: Der königliche Ort befinde sich recht genau in der Mitte zwischen Paris und Istanbul.

Wie beliebt Reisen auf Gleisen noch bis in die 1970er-Jahre war, erläuterte Fritz am Interrail-Angebot der damaligen Deutschen Bundesbah“. Mit   e i n e m  Billet – oder Ticket konnten junge Leute zu vielen Orten in Europa reisen. Ohne außerhalb Deutschlands irgendwo zahlen zu müssen. Zielwahl: frei. Selbst die Musikwelt habe damals die Züge gelobt. Schlagerstar Gitte sang: „Nimm gleich den von nebenan – der schafft bei der Bundesbahn.“ Die Zukunft der Bahn in Deutschland erahnte damals schon Gittes Kollege Christian Anders. Er sag: „Es fährt ein Zug nach nirgendwo.“

Inzwischen seien bei der Bahn auch in Kisslegg „entscheidende Verbesserungen“ zu erkennen. So Vortragsredner Dr. Eberhard Fritz. Bildschirmzeitung-Reporter Julian Aicher sieht aber auch Defizite. Er hatte nämlich am überdacht-bewachten Fahrrad-Parkplatz in der „nachhaltigen“ Stadt Leutkirch keine freie Abstell-Stelle gefunden. Die Ticket-Verkaufs-Stelle mit Video am Leutkircher Bahnhofsplatz war am frühen Nachmittag geschlossen – und am Fahrkartenautomat nebenan fand sich kein Symbol zur „Fahrradmitnahme“. Also blieb nur die rund 70-minütige Fahr per eigenem, stromlosen Drahtesel vom Bahnhof Leutkirch zum Schlosspark Kisslegg.

Dem Publikum am vergangenen Donnerstagnacmittag (11.4.) gefiel der eisenbahn-nostalgische Vortrag. Zusammen mit den Kisslegger Pfarrern Friedemann Glaser (Bild; evangelisch) und Gunnar Sohl (römisch-katholisch) sang es ökumenisch vereint acht Strophen der südwestdeutschen Hymne „Auf d’r  schwäb’sche Eisebahne“. Also achtmal „Trulla-Trulla-Trullala“.
Text und Fotos: Julian Aicher




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