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Eine Erinnerung an Fred Ohlinger

Der Tag, als Reutlingen kam



Foto: RR-Archivbild (Gerlinde Keser)
Franz Rimböck reicht seinem alten Kumpel Fred Ohlinger am SGA-Wurststand eine „Rote“ (Saison 2003/2004). Mehr als ein Vierteljahrhundert lang verkaufte der Franz auf dem Fußballplatz Wurst und Wecken. Bei jedem Heimspiel der SG Aulendorf war er mit seinen „Roten“ dabei. Franz Rimböck ist vor einigen Jahren gestorben.

Aulendorf – Fred Ohlinger ist tot. Er war ein tüchtiger Mann, ehrenamtlich bei der SG Aulendorf, beruflich bei der Druckerei Marquart. Im Dezember 2003 besuchte der Journalist Gerhard Reischmann Fred und seinen Freund Franz Rimböck und man unterhielt sich über alte Zeiten. Es entstand ein Artikel, er am 23. 12. 2003 in der „Schwäbischen Zeitung“ (Ausgabe Bad Waldsee-Aulendorf) veröffentlicht wurde. Diesen Artikel nahm Reischmann in sein Buch „Menschenskinder“ auf (Seiten 92/93). Nachstehend veröffentlichen wir den Text von 2003 in Erinnerung an Fred Ohlinger, der Ende März 2024 im Alter von 83 Jahren gestorben ist.

„14. August 1976. Es war am 14. August, des woiß i genau.“ Fred Ohlinger, ein SGA-Urgestein, hat sich das Datum eingeprägt. Der Tag, als Aulendorf gegen Reutlingen spielte, als die kleine SGA den großen SSV herausforderte. Zwischen Aulendorf und Reutlingen hatten Fußball-Welten gelegen, aber jetzt spielten sie in ein und derselben Klasse, in der Schwarzwald-Bodensee-Liga, der höchsten deutschen Amateurklasse. 2400 Zuschauer wollten das Duell zwischen dem kecken Aufsteiger aus dem Schussental und den Traditionskickern von der „Kreuzeiche“, soeben aus der Zweiten Liga abgestiegen, miterleben. 2400 Zuschauer und Franz Rimböck. Der hatte mit seinem Wurstverkauf aber alle Hände voll zu tun und vom Spiel nicht viel mitgekriegt.

Hans Frick, der legendäre SGA-Vorstand, traute dem Braten nicht so recht und hatte eine gute Idee. „Mir kicket it am Lehmgrubaweg, mir kicket em Kaschtana-Stadion.“ Im altehrwürdigen Kastanienstadion an der Stadthalle kannten die SGAler jeden Grashalm, die funkelnagelneue Arena draußen am Lehmgrubenweg dagegen war den Aulendorfer Kickern fast so fremd wie den Gästen. Denen wollte die Platzwahl gar nicht schmecken; Gästetrainer Fred Hoffmann griff an die Latte des SGA-Gehäuses und mäkelte, das Tor sei zu niedrig. „Des müsset mir genauso treffa wie ihr“, gab der Frick Hans naus und das Spiel wurde angepfiffen.

Einmal, aber das war nicht im Reutlingen-Spiel, sind dem Rimböck Franz die Würste früh ausgegangen. Im Zeitungsbericht wurde das unter „Besondere Vorkommnisse“ vermerkt. „Die Würst’“, sagt Rimböck in seinem bayrisch angehauchten Schwäbisch, „dia dürfet scho ausganga. Aber erscht nach d’r Halbzeit.“

Beim Kick gegen den SSV Reutlingen hatte die SGA zur Halbzeit ihren Kasten noch sauber. In der Pause hat es dann bei Franz Rimböck geklingelt. Es war sein allererster Tag am Wurststand – und dann gleich gegen Reutlingen! Sepp Brauchle, der damalige „Chef-Wurstverkäufer“, hatte schon gewusst, was er tat, als er kurz vor dem Reutlingen-Spiel zum Rimböck Franz sagte: „Franz, du kenntescht mir doch helfa.“ Und so haben sie die vielen hungrigen Fans satt gekriegt, der Sepp und der Franz und die anderen Helfer.

Fred Ohlinger, der drei Jahrzehnte lang Pressewart der SGA-Fußballer war, hat in seinen Ordnern das Auf und Ab seiner Kicker fein säuberlich verzeichnet.  Doch für die Aufstellung gegen Reutlingen brauchen Fred Ohlinger und Franz Rimböck keinen Ordner. „Des war a erschtklassige Truppe domols“, schwärmen die beiden. Im Schnitt hatte die SGA in der Schwarzwald-Bodensee-Liga 1100 Zuschauer und der Rimböck Franz entsprechenden Umsatz an der Wurstbude. „So en Mittelstürmer wia de Neuburger Sepp homm’r nia meh ghett. Der und d’r Bruno Nußbaumer – oifach ideal. D’r Bruno hot dia Bäll neiglupft ond d’r Sepp hot se versenkt.“ 62 Mal allein im Aufstiegsjahr 75/76, weiß Fred Ohlinger. Ergänzt wurde die Tormaschine Sepp Neuburger von Uli Failenschmid und Rüdiger Kolip und so schaute am Ende für den Neuling ein sensationeller fünfter Platz heraus. Trainer war der Bad Waldseer Gymnasiallehrer Emil Kaphegyi.

„Im Tor war Richard Frey, in der Verteidigung Erwin Nußbaumer, Klaus Bachner, später Herbert Sauter und Hermann Nold, im Mittelfeld Bernhard Böckeler, Hans Frick jun., Manfred Schaden, später Winne Hummler“ – Franz Rimböck kennt die Aufstellung der Aulendorfer Schwarzwald-Bodensee-Mannschaft so gut wie seine Speisekarte.

Die Jugendarbeit lag Rimböck immer sehr am Herzen. Als die beiden Buben des gebürtigen Niederbayern (er hatte 1961 nach Aulendorf geheiratet und hier als Metzgermeister 24 Jahre lang in der Tierärztlichen Untersuchungsanstalt gearbeitet) in die SGA-Jugend aufrückten, da machte er den Jugendbetreuer. Ende der 1970er veranstaltete die SGA einmal ein A-Jugendturnier. Gezeltet wurde in Rugetsweiler, abends machten die „Snoopys“ Musik. Auch internationale Gäste waren geladen und die SGA-Führung war etwas skeptisch. „Kommet mir do scho raus?“, wurde Franz Rimböck gefragt. „Wenn net, dann zahl i ’s“, gab der zur Antwort und das Turnier wurde ein Erfolg. Wurst und Cola für die Sieger, das spendierte aber der Franz; da ließ er sich nicht lumpen. Und der Gewinn, den Franz Rimböck in all den Jahren am Wurststand erwirtschaftet hat, wanderte stets in die Jugendkasse.

2003/04, als die SGA in der C-Klasse dümpelte, brauchte Rimböck nicht allzuviele Würste. „Jo, momentan sieht’s bei de Kicker net so guat aus“, stellte der 67-Jährige damals fest. „Dia müsstet halt meh Würst essa.“ Aber Fred Ohlinger und Franz Rimböck waren und sind Optimisten. „Der Franz wird au wied’r Bezirksliga-Würscht verkaufa. Do glaubet mir scho dra.“

Nachtrag: Das Spiel gegen Reutlingen endete 0:0. Rimböck und Co. brachten an jenem Tag an die tausend Stück „Schwarzwald-Bodensee-Würste“ unter die Leute.

Das Buch „Menschenskinder“ ist vergriffen. Man kann es in der Pfarrbücherei Aulendorf ausleihen.




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