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Offener Brief

„Kahlschlag auf zwei städtischen naturnahen Flächen in Aulendorf“



Foto: BUND
Rodung in Aulendorf. Undatierte Aufnahme.

Der BUND Aulendorf wendet sich über die Bildschirmzeitung „Der Aulendorfer“ mit einem Offenen Brief an Bürgermeister Matthias Burth und den Gemeinderat. Anlass ist eine Rodung – im Offenen Brief ist die Rede von „Kahlschlag“ auf zwei städtischen Flächen. Namens der BUND-Ortsgruppe Aulendorf schreibt Bruno Sing:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Burth,
sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,

mehrere BürgerInnen der Stadt Aulendorf haben sich aus aktuellem Anlass mit Besorgnis an den BUND Aulendorf gewandt, da in letzter Zeit auf zwei naturnahen Flächen in unserer Stadt sogenannte Kahlschläge durchgeführt wurden. Diese Flächen sind für die Erhaltung der biologischen Vielfalt und das ökologische Gleichgewicht von großer Bedeutung, da sie nicht nur Lebensräume für viele Pflanzen und Tierarten bieten, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz im bebauten Bereich leisten.

Der Kahlschlag hat nicht nur das Aussehen der betroffenen Flächen erheblich verändert, sondern auch die heimische Flora und Fauna gefährdet. Besonders besorgniserregend ist, dass diese Maßnahmen offenbar ohne ausreichende Rücksicht auf die ökologischen Zusammenhänge und die Bedürfnisse der betroffenen Lebensräume durchgeführt wurden.

Die BUND-Ortsgruppe hat sich daher in der monatlichen Sitzung am Mittwoch, 22. Januar, mit dem Thema „Umgang mit naturnahen Grünflächen innerhalb der Stadt“ beschäftigt. Dabei handelte es sich um die Eingriffe auf den nachfolgenden zwei naturnahen Grundstücken:

1. Naturfläche mit Sträuchern und einzelnen großen Bäumen
Zwischen Villa Gerster / Editio Cantor-Verlag und Vita Hotel,
entlang der Ebisweiler Straße zwischen den Gebäuden der Zieglerischen und dem Vita-Hotel

2. Grünfläche, die von der Stadt als Biotop bezeichnet wurde.
Standort: zwischen Hillstraße bis Stadtpark entlang der Pferdekoppel hinter der Bebauung Safranmoos-Straße

Natürlich unterstützen wir einen entsprechenden Pflegeschnitt und auch gegen einen abschnittsweisen Rückschnitt von Gehölzen ist nichts einzuwenden.

Anwohner berichten dem BUND, dass im Herbst in diesem Bereich nahezu alle Sträucher entfernt wurden.

Fragen des BUND zum Grünstreifen:
– Sind der Grünstreifen (Breite ca. 2 bis 3 Meter, Länge ca. 100 Meter) und die große Eiche die Ausgleichsmaßnahme für das Baugebiet Safranmoos?
– Welche Ausgleichmaßnahmen wurden konkret schriftlich vereinbart?
– Kommt die Stadt diesem Ausgleich nach und welches städtisches Pflegekonzept gibt es für diese Fläche?
– Welche Ziele werden mit der Fläche verfolgt?

    Zur Fläche 1: Im Auftrag der Stadt wurden ab der KW3 Sträucher und alle Bäume auf der ganzen Fläche abgeholzt

      Diese Fläche ist ca. 0,3 ha groß und befindet sich als Geländestreifen entlang den privaten Grundstücken „Gerster-Villa und Editio Cantor Verlag.“

      Der vorhandene Zaun zum Editio-Cantor-Gebäude lässt vermuten, dass die Sträucher und Bäume sich auf städtischem und zum Teil  aber auch auf privatem Grund befanden. Ein Mitarbeiter der ausführenden Firma hat auf Nachfragen mitgeteilt, dass der Auftrag für die Maßnahme von der Stadt Aulendorf erteilt wurde. Daraufhin haben sich diese Personen telefonisch bei der Stadt nach der Zielsetzung der Maßnahme erkundigt und als Auskunft

      erhalten, es werde ein Pflegeschnitt durchgeführt! Gegen Pflegemaßnahmen wie die selektive Entnahme von Gehölzen oder regelmäßige Pflegeschnitte in einem Intervall von 2 bis 5 Jahren ist seitens des BUND nichts einzuwenden, dienen sie doch der Erhaltung der Lebensräume und ermöglichen gleichzeitig eine nachhaltige Nutzung. In den nachfolgenden Tagen hat sich jedoch gezeigt, dass alle Bäume und Sträucher, teilweise sogar mit den Wurzeln entfernt und die Fläche total abgeräumt wurde.

      Die Fläche mit den Sträuchern und mit einzelnen Bäumen war ein Rückzugsgebiet, Nahrungs- und Brutgebiet für Vögel, wie auch für Igel und Kleinlebewesen. Anwohner haben nach ihren Angaben gesehen, dass sich auch Nester von Krähen und anderen Vögel in den Bäumen befanden.

      An Hand der gerodeten Sträucher und Bäume konnten nur noch folgende Arten bestimmt werden: Kirsche, Spitzahorn, roter Hartriegel, Zitterpapel, Ulme, Colorado Tanne, Roteiche.

      Solche Flächen sind im Zeichen des Klimawandel sehr wichtig: Für bessere Sauerstoffversorgung, Hitzedämpfung CO2-Reduktion des Kleinklimas, Windschutz, Schutz des Bodens vor Austrocknung und Abtragung bei Regengüssen.

      Dem BUND ist bewusst, dass außerhalb der Vegetationszeit Sträucher und Bäumen nach dem Naturschutzrecht gefällt (nicht gerodet) werden dürfen. Der BUND ist aber der Meinung, dass eine fachgerechte Pflege kleinflächig oder punktuell sein muss, um die vorhandenen positiven Wirkungen anhaltend erfüllen zu können.

      Fragen des BUND zur Abholzung bzw. Rodung der Fläche 1 von ca. 3000 Quadratmeter
      1. Was war die Zielsetzung der Maßnahme?
      2. Von wem und in welchem Flächenumfang (auch für die Privatflächen?) wurde die ausführende Firma beauftragt?
      3. Wurde der Gemeinderat bzw. Ausschuss vorab informiert und hat dieser der Maßnahme zugestimmt?
      4. Wurde die Fläche vor der Rodung nach Habitaten von Tieren abgeschritten?
      5. Wurden die Maßnahmen mit einem Förster der Unteren Forstbehörde Ravensburg (schriftlich) abgestimmt?
      6. Wurde die untere Naturschutzbehörde einbezogen und diese um Stellungnahme gebeten?
      7. Welchen Naturausgleich für die Abholzung will die Stadt in den nächsten Jahren aufbringen?

      In diesem Zusammenhang bewegt uns auch, dass die Stadt Aulendorf im März 2021 in einer sehr positiven Aktion 1000 Bäume als Klimaschutzaktion kostenlos an die Bürger verschenkt hat, gleichzeitig aber auf städtischem Gelände Bäume, Sträucher und Hecken in nicht unerheblichem Maß rodet!

      Darüber hinaus wäre es unseres Erachtens hilfreich, wenn Sie die Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsprozesse einbeziehen und transparenter über solche Maßnahmen informieren würden. Ein Dialog zwischen Stadtverwaltung und Bevölkerung könnte dazu beitragen, Verständnis und Akzeptanz für notwendige Eingriffe zu schaffen und gleichzeitig den ökologischen Wert dieser Flächen zu wahren.

      Das Ziel des BUND Aulendorf ist, sich für eine Natur- und nachhaltige Stadt einzusetzen. Für die Zukunft möchten wir vorschlagen, wie in anderen Gemeinden auch in Aulendorf eine Baumschutzkommission mit einem Baum-/Waldfachmann, Naturschutzbeauftragten und den Naturschutzverbänden einzurichten.
      Wären sie bereit dieses Konzept zu unterstützen?

      Wir bitten die Stadtverwaltung und die Fraktionen unsere Frage zu beantworten.
      Bruno Sing, Vorsitzender des BUND Aulendorf

      Bruno Sing vom BUND Aulendorf hat uns einige Bilder von der Vorher- und Nachher-Situation zukommen lassen, die Sie in der Galerie finden.



      BILDERGALERIE

      Fotos: BUND

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